ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2019Anatomie nicht präzise erläutert
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Wir begrüßen den Artikel von Carolus et al. (1) zum Management der Fußheberlähmung, da er ein wichtiges interdisziplinäres Thema diskutiert. Es ist allerdings klinisch wichtig, die zentralen und peripheren Anteile der neuronalen Verschaltung anatomisch korrekt zu trennen. Es wird im motorischen System vereinfachend vom ersten (zentralen) und zweiten (peripheren) Neuron gesprochen. Das erste Neuron entspringt im primär-motorischen Kortex und verläuft in der Pyramidenbahn bis zu den Vorderhornzellen im Rückenmark, also zum zweiten Neuron. Dieses zweite Neuron, von den Autoren anglisierend „unteres Motoneuron“ genannt, ist im Gegensatz zur Darstellung im Text nicht Teil der Pyramidenbahn. Auch wenn der Zellkörper (Perikaryon) der motorischen Vorderhornzelle tatsächlich noch im Rückenmark, also streng genommen im Zentralnervensystem, liegt, führt ein isolierter Ausfall dieses zweiten Neurons, egal an welcher Stelle, zu einer typischen peripheren, also schlaffen, Parese.

Was die Therapie von zentralen Formen der Fußheberlähmung betrifft, sollte Erwähnung finden, dass es seit einigen Jahren elektronische Fußheberorthesen gibt (2). Im Rahmen einer sogenannten funktionellen Elektrostimulation erfolgt die bedarfsgerechte elektrische Stimulation des N. peroneus (= fibularis communis), (3), der anatomisch bei zentralen Paresen ja noch intakt ist. Dabei wird die Notwendigkeit der Fußhebung beim Gehen durch Sensoren erfasst. Leider werden die Kosten für ein solches System von den Kostenträgern oft nicht übernommen und es bedarf intensiver Überzeugungsarbeit, zum Beispiel durch Videodokumentation des günstigen Effekts im Rahmen einer Probestellung.

Schließlich möchten wir noch darauf hinweisen, dass eine schnelle, deutliche Gewichtsabnahme einen relevanten Risikofaktor für die Entstehung einer (häufig auch beidseitigen) Läsion des N. fibularis mit Fußheberparese(n) darstellt.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0643b

Prof. Dr. med. Andreas Winkelmann

Institut für Anatomie, Medizinische Hochschule Brandenburg

andreas.winkelmann@mhb-fontane.de

Prof. Dr. med. Andreas Bitsch

Klinik für Neurologie, Ruppiner Kliniken GmbH, Hochschulklinikum der Medizinischen Hochschule Brandenburg

1.
Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C: The interdisciplinary management of foot drop. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 347–54 VOLLTEXT
2.
Kluding PM, Dunning K, O’Dell MW, et al.: Foot drop stimulation versus ankle foot orthosis after stroke—30-week outcomes. Stroke 2013; 44: 1660–9 CrossRef MEDLINE
3.
Federal Committee on Anatomical Terminology: Terminologia Anatomica, Stuttgart: Thieme 1998.
1.Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C: The interdisciplinary management of foot drop. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 347–54 VOLLTEXT
2.Kluding PM, Dunning K, O’Dell MW, et al.: Foot drop stimulation versus ankle foot orthosis after stroke—30-week outcomes. Stroke 2013; 44: 1660–9 CrossRef MEDLINE
3.Federal Committee on Anatomical Terminology: Terminologia Anatomica, Stuttgart: Thieme 1998.

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