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Wir bedanken uns für die Ergänzungen zu unserem Artikel (1). FU Beutner hebt nochmals hervor, dass die Polyneuropathie eine häufig beobachtete Ursache der spontanen Fußheberlähmung ist, was unserer Erfahrung entspricht. Zudem sollte von einer hohen Co-Inzidenz zwischen Polyneuropathien und Kompressionssyndromen ausgegangen werden (2): Da die Nerven durch die systemische Erkrankung auch einer Veränderung ihrer Myelinscheiden unterliegen können, sind sie per se anfälliger für lokalen Druck. Bei Patienten mit Fußheberparese den HbA1c-Wert zu bestimmen, ist ein wertvoller Hinweis für die tägliche Praxis, der in unserem Algorithmus ergänzt werden sollte.

Elektrotraining wird in unserem Artikel kurz angesprochen. Es ist tierexperimentell nachgewiesen, dass die elektrische Stimulation denervierter Muskeln eine Atrophie aufhalten kann. Das setzt aber muskelfaser-spezifische Stimulationsfrequenzen, -intervalle und -reizorte voraus (3). Die Wirksamkeit bei Patienten wird kontrovers diskutiert. Es ist zu kurz gegriffen, der herkömmlichen transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) einen direkten entgegenwirkenden Effekt auf die Fußheberparese zuzuschreiben (4). TENS ist eine vielfach belegte effektive Maßnahme gegen Schmerzen bei Polyneuropathie und zeigt einen günstigen Effekt auf die Spastik bei Patienten nach Schlaganfall (5). Auch der psychologische Benefit für Betroffene, hervorgerufen durch spürbare Impulse im geschädigten Areal des Fußes, ist unseres Erachtens nicht zu unterschätzen. Man sollte den Patienten aber deutlich machen, dass diese Geräte die Lähmung selbst eher nicht bessern und damit auch keine gleichwertige Alternative zu anderen kausalen Behandlungen sind – für den Fall, dass solche infrage kommen. Zudem ersetzen sie nicht die aktive Physiotherapie, die auch die Gelenkbeweglichkeit und das Erlernen von Kompensationsbewegungen mit einschließt. Zu unterscheiden davon ist die direkte Nervenstimulation, die von A. Winkelmann und A. Bitsch angesprochen wird. Sie nutzt die Unversehrtheit des peripheren Nervens bei der zentralen Fußheberparese und hat gute Effekte. Wie erwähnt scheitert diese Therapie derzeit an den Kosten.

Angesichts zahlreicher Anfragen der Leser – herzlichen Dank dafür – noch einige ergänzende Hinweise zum Sehnenersatzverfahren: Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg einer solchen Operation ist, dass sich die Parese auf das Innervationsgebiet des N. peroneus beschränkt, also ausschließlich der M. tibialis anterior und die Mm. peronei betroffen sind. Patienten mit polyradikulären Schäden und fortgeschrittenen Polyneuropathien erfüllen diese Voraussetzungen in der Regel nicht. Zudem sollte der Patient keinen zu stark ausgeprägten Knicksenkfuß aufweisen, da der für den Transfer verwendete M. tibialis posterior dann zu einem wichtigen Stabilisator des Fußinnengewölbes wird. In solchen Fällen kann man den Sehnentransfer mit einer Arthrodese des unteren Sprunggelenks kombinieren. Wenn man diese Faktoren bei der Indikationsstellung berücksichtigt, kann durch den Eingriff eine entscheidende Steigerung der Lebensqualität erreicht werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0643c

Für die Autoren

Dr. med. Anne Elisabeth Carolus

Klinik für Neurochirurgie

Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus, Bochum

AnneElisabeth.Carolus@kk-bochum.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C: The interdisciplinary management of foot drop. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 347–54 VOLLTEXT
2.
Rajabally YA, Narasimhan M: Electrophysiological entrapment syndromes in chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy. Muscle Nerve 2011; 44: 444–7 CrossRef MEDLINE
3.
Tanaka M, Nakanishi R, Murakami S, et al.: Effectiveness of daily eccentric contractions induced via kilohertz frequency transcutaneous electrical stimulation on muscle atrophy. Acta Histochem 2016; 118: 56–62 CrossRef MEDLINE
4.
Lin S, Sun Q, Wang H, Xie G: Influence of transcutaneous electrical nerve stimulation on spasticity, balance, and walking speed in stroke patients: A systematic review and meta-analysis. J Rehabil Med 2018; 50: 3–7 CrossRef MEDLINE
5.
Poulsen JB, Møller K, Jensen CV, Weisdorf S, Kehlet H, Perner A: Effect of transcutaneous electrical muscle stimulation on muscle volume in patients with septic shock. Crit Care Med 2011; 39: 456–61 CrossRef MEDLINE
1.Carolus AE, Becker M, Cuny J, Smektala R, Schmieder K, Brenke C: The interdisciplinary management of foot drop. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 347–54 VOLLTEXT
2.Rajabally YA, Narasimhan M: Electrophysiological entrapment syndromes in chronic inflammatory demyelinating polyneuropathy. Muscle Nerve 2011; 44: 444–7 CrossRef MEDLINE
3.Tanaka M, Nakanishi R, Murakami S, et al.: Effectiveness of daily eccentric contractions induced via kilohertz frequency transcutaneous electrical stimulation on muscle atrophy. Acta Histochem 2016; 118: 56–62 CrossRef MEDLINE
4.Lin S, Sun Q, Wang H, Xie G: Influence of transcutaneous electrical nerve stimulation on spasticity, balance, and walking speed in stroke patients: A systematic review and meta-analysis. J Rehabil Med 2018; 50: 3–7 CrossRef MEDLINE
5.Poulsen JB, Møller K, Jensen CV, Weisdorf S, Kehlet H, Perner A: Effect of transcutaneous electrical muscle stimulation on muscle volume in patients with septic shock. Crit Care Med 2011; 39: 456–61 CrossRef MEDLINE

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