ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Klammernaht kann Vorteile haben
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Wundinfektionen nach chirurgischen Eingriffen sind mehrheitlich durch die endogene Flora des Patienten verursacht, wie die Autoren korrekt ausführen (1). Knapp zwei Drittel aller Erreger postoperativer Wundinfektionen in der Abdominalchirurgie sind Escherichia coli oder Enterokokken (2). Bei abdominalchirurgischen Wundinfektionen ist das Erregerreservoir vorrangig im Gastrointestinaltrakt, auch wenn Darmbakterien Teil der transienten Hautflora sein können. Die Translokation der Erreger in die Wundregion erfolgt jedoch wohl nicht in erster Linie von der Haut aus. Insofern ist der von den Autoren genannte hypothetische Vorteil der Intrakutannaht (Zitat: „Wenn man die patienteneigene Flora als Hauptquelle für Wundinfekte ansieht [...], würde ein dichter Hautverschluss ohne Verletzung dermaler Strukturen möglicherweise Wundinfekte vermeiden.“) wenig relevant. Folgerichtig konnte kein Unterschied zwischen beiden Verfahren hinsichtlich des primären Endpunkts ihrer Studie ermittelt werden, ebenso wenig hinsichtlich Wundinfektionen der Kategorien A2/A3 (3).

Ergänzend ist anzumerken, dass die Klammernaht im Sinne einer Einzelknopfnaht gerade bei langen Inzisionen den Vorteil mit sich bringt, dass bei Flüssigkeitsretentionen und lokalen (Früh-)Infektionen (in kleineren Abschnitten der Wunde) einzelne Klammern entfernt werden können, ohne dadurch größere Dehiszenzen herbeizuführen. Vermehrt auftretende Dehiszenzen nach Klammerentfernung, wie von den Autoren berichtet, sind insbesondere im elektiven Setting zu bedenken. Hinsichtlich ihrer Bedeutung für den weiteren Heilungsverlauf stellt sich allerdings die Frage nach dem Ausmaß der Dehiszenz. Technisch muss bei der Klammernaht zur Vermeidung von Deshiszenzen auf eine minutiöse Koaptation der Wundränder ohne Inversion sowie auf einen adäquaten Abstand zwischen den Klammern, zu den Wundrändern und zum Wundwinkel geachtet werden. Dass auch die intrakutane Naht in der elektiven Abdominalchirurgie ihren Platz hat, können die Autoren mit ihrer Studie belegen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0661a

MOR Dr. med. Benedikt Lampl

Facharzt für Viszeralchirurgie

Stellvertretender Sachgebietsleiter Infektionsschutz und Hygiene

Schwerpunkt Krankenhaushygiene

Gesundheitsamt Regensburg

benedikt.lampl@lra-regensburg.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Maurer E, Reuss A, Maschuw K, et al.: Superficial surgical site infection following the use of intracutaneous sutures versus staples—a randomized single-center trial in an elective gastrointestinal surgery setting. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 365–71 VOLLTEXT
2.
Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO): Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 2018; 61:448–73 CrossRef MEDLINE
3.
Cruse PE, Foord R: A five-year prospective study of 23,649 surgical wounds. Arch Surg 1973; 107: 206–10 CrossRef MEDLINE
1.Maurer E, Reuss A, Maschuw K, et al.: Superficial surgical site infection following the use of intracutaneous sutures versus staples—a randomized single-center trial in an elective gastrointestinal surgery setting. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 365–71 VOLLTEXT
2.Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO): Prävention postoperativer Wundinfektionen. Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Bundesgesundheitsbl 2018; 61:448–73 CrossRef MEDLINE
3.Cruse PE, Foord R: A five-year prospective study of 23,649 surgical wounds. Arch Surg 1973; 107: 206–10 CrossRef MEDLINE

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