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Ernährung: Wissenshunger

Medizin studieren, WS 2019/20: 26

Teufel, Felix; Portz, Philipp

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An deutschen Schulen fehlt es häufig an guter Aufklärung und Bildung zum Thema Ernährung. Das wollen Studierende mit dem bvmd-Projekt „Wissenshunger“ ändern.

Foto: anaumenko/stock.adobe.com
Foto: anaumenko/stock.adobe.com

Etwa 26 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind der KiGGS-Studie des Robert Koch-Institutes zufolge übergewichtig, rund neun Prozent sogar adipös. Heidelberger Medizinstudierende haben daher im Oktober 2016 das Projekt „Wissenshunger“ gegründet. Ziel ist, Kinder und Jugendliche über eine gesunde Ess- und Lebensweise aufzuklären und dabei auch Freude an gesunder Ernährung zu vermitteln.

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Das Projekt nutzt dabei den Peer-Education-Ansatz: Bei Workshops in Schulklassen der Stufen 5 bis 7 vermitteln Studierende den Schülern spielerisch und auf Augenhöhe das nötige Wissen rund um das Thema gesunder Ernährungsmuster. Da Essen jedoch vor allem auch ein praktisches Thema ist und im Alltag beginnt, bereiten die Schüler im Rahmen des Workshops unter Anleitung ein gesundes Frühstück zu.

„Die Schüler werden über soziale Medien ständig mit Scheinwissen rund um das Thema Ernährung berieselt. Deshalb ist das Interesse an unseren Inhalten groß“, sagt Medizinstudent Niklas Vetter, der seit Projektgründung bei „Wissenshunger“ mitwirkt. Die Inhalte basieren dabei auf gängigen Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Sie werden zusammen mit externen Fachleuten immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft gehalten. „Es herrscht bei vielen immer noch der Irrglaube, dass es keine wissenschaftliche Evidenz zum Thema ‚gesunde Ernährung‘ gäbe. Gerade bei den grundlegenden Fragestellungen herrscht jedoch ziemlicher Konsens“, berichtet Anne Schiller, Leiterin der „Wissenshunger“-Lokalgruppe Tübingen.

Das Thema ist hochaktuell. Das zeigte sich unter anderem im Juli 2019, als die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner (CDU), eine Studie zur Ernährungsbildung in Schulen und Kitas in Deutschland vorstellte. Die Ergebnisse zeigen Problemfelder auf, in denen sich Wissenshunger schon seit Langem engagiert: Auch wenn die Lehrpläne das Thema Ernährung eigentlich vorsehen, fehlt es laut der Studie häufig an entsprechender Ausbildung der Lehrkräfte, fachlich aktuellen Lehrmaterialien und der Vermittlung von Praxiswissen.

Wissenshunger ist mittlerweile an neun deutschen Universitätsstädten vertreten (Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Göttingen, Mannheim, Bonn, Gießen, Köln und Essen) und hat bei rund 30 Schulbesuchen bereits über 700 Kinder und Jugendliche erreicht. „Solange es von staatlicher Seite keine flächendeckenden und nachhaltigen Lösungen zur Bildung von Schülern zum Thema Ernährung gibt, werden wir weiterhin mit Wissenshunger unseren Beitrag zur Prävention und Gesund­heits­förder­ung leisten“, sind sich die beiden Studenten, Projektgründer und -leiter Philipp Portz und Felix Teufel aus Heidelberg einig.

Lust bei Wissenshunger aktiv zu werden oder einen neuen Standort zu gründen?

Zuschriften unter:
wissenshunger@bvmd.de.

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