ArchivMedizin studieren2/2019Diskussion zum Klimawandel: Studierende mischen sich ein

Fachschaften

Diskussion zum Klimawandel: Studierende mischen sich ein

Medizin studieren, WS 2019/20: 30

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Medizinstudierende arbeiten auf verschiedenen Ebenen gegen den Klimawandel. Die Medizinstudierendenvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat ihre Haltung jetzt in einem Positionspapier ausführlich dargelegt.

Foto: picture alliance/dpa
Foto: picture alliance/dpa

Wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!“ – „Es gibt keinen Planet B“ rufen Schüler bei den Fridays-for-Future-Protesten ihre Wut über eine halbherzige Politik heraus. Und bewegen damit etwas. Parents for Future, Doctors for Future, Scientists for Future sowie Health for Future haben sich dem Protest angeschlossen und fordern die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens.

Anzeige

Auch die Medizinstudierenden sind aktiv. Sie betonen die gesundheitlichen Konsequenzen der Erderwärmung und fordern unter anderem, das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ im Medizinstudium prominenter zu behandeln. „Schließlich werten viele Experten den Klimawandel als größte Herausforderung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts“, erläutert Sophie Gepp, Bundeskoordinatorin für Public Health der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd).

Die Medizinstudierendenvertretung hat ihre Haltung in einem Positionspapier ausführlich dargelegt. „Die bvmd erkennt an, dass in Deutschland ein Bewusstseinsdefizit bezüglich des Zusammenhangs von Klimawandel und Gesundheit besteht“, heißt es darin. Außerdem sei zu bedenken , dass „der Gesundheitssektor entscheidend zu klimabelastenden Emissionen beiträgt und deshalb seinen Anteil der Verminderungspflicht tragen muss“. Medizinstudierende, medizinisches Personal, Krankenhäuser und gesundheitsbezogene Nichtregierungsorganisationen müssten ihre gesellschaftliche Position zur Aufklärung der Öffentlichkeit nutzen.

Bei Analysen und Forderungen bleibt es aber nicht, die Medizinstudierenden haben verschiedene Initiativen auf den Weg gebracht. Diese laufen auf verschiedenen Ebenen ab: Zunächst verpflichtet sich die bvmd in dem Positionspapier, auf ihren eigenen Veranstaltungen möglichst klimaneutral zu arbeiten und Nachhaltigkeit zu fördern.

Außerdem setzen sich die Studierenden dafür ein, dass der Gesundheitssektor seine CO2-Emission reduziert. „Gesundheitseinrichtungen der Zukunft sollten Nachhaltigkeit und Klimaresilienz, das heißt die Anpassung an die veränderten Klimabedingungen, priorisieren“, heißt es in dem Positionspapier. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Zusammenhang zwischen Umwelt beziehungsweise Klima und Gesundheit im Studium stärker vorkommt“, erläutert Sylvia Hartmann, Leiterin des Projektes „Mensch und Umwelt“ der bvmd. Die bvmd arbeitet dafür auch mit der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, kurz „KLUG“, zusammen und entwickelt ein Konzept für ein Wahlfach „Klimawandel und Gesundheit“. „Ein Problem ist, dass es derzeit keine Übersicht dazu gibt, welche Lehrangebote wo bestehen“, erläutert Gepp. Die bvmd plant gerade eine Erhebung an den Fakultäten, um den Status quo der Lehre zu dem Thema zu erfassen.

Die bvmd konzipiert weiterhin im Augenblick eine interdisziplinäre Konferenz zum Thema Klimagesundheit, zu der neben Medizinstudierenden auch andere Fachbereiche eingeladen sind. Ziel ist es, Informationen zum Thema auch Studierenden anderer Fachrichtungen zu vermitteln und gemeinsam interdisziplinäre Projekt zu entwickeln.

„Viele Fachinformationen zur Klimagesundheit sind im englischsprachigen Raum erschienen und bei uns nicht so präsent“, erläutert Hartmann. Das Projekt „Mensch und Umwelt“ der bvmd und die AG Public Health haben daher ein Fact Sheet der „Canadian Association of Physicians for the Environment (CAPE)“ ins Deutsche übertragen. Darin werden grundlegende Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Gesundheit erläutert. „Als Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind wir die Spezialisten für Krankheit und Gesundheit der Menschen. Darüber hinaus haben wir als Ärzteschaft einen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung wie keine andere Berufsgruppe. Wir müssen uns deshalb beharrlich und vernehmbar in den gesellschaftlichen Diskurs zum Klimawandel einbringen“, heißt es darin.

Doctors for Future vor Ort

Kurz vor der Eröffnung des diesjährigen Deutschen Ärztetags in Mainz riefen Mediziner und Medizinstudierende, darunter Ärztetagsdelegierte, die ehemalige Präsidentin der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden in Deutschland (vvmd), Jana Aulenkamp, sowie der Arzt und Medizinjournalist Dr. med. Eckart von Hirschhausen mit der Initiative „Doctors for Future“ die deutsche Ärzteschaft und die Bundesärzteammer (BÄK) dazu auf, sich verstärkt für den Klimaschutz einzusetzen.

Foto: Thorsten Maybaum/Deutsches Ärzteblatt
Foto: Thorsten Maybaum/Deutsches Ärzteblatt

„Als Ärztinnen und Ärzte sind wir die Spezialisten für Krankheit und Gesundheit der Menschen, denen die Bevölkerung vertraut. Wir müssen uns als Ärzteschaft deshalb beharrlich und vernehmbar in den gesellschaftlichen Diskurs zur Erderhitzung einbringen“, hießt es in einem Flyer, den „Doctors for Future“ vor der Halle verteilte. Ärzte seien angehalten, die Bedeutung des Klimaschutzes in Gesprächen mit Patienten anzusprechen. „Doctors for Future“ riefen auch den Deutschen Ärztetag dazu auf, „ein deutliches und vernehmbares Zeichen für den Klimaschutz“ zu setzen.

Die Mediziner und Medizinstudierenden unterstützen dabei die „Fridays-for-Future“-Initiative von Schülern für den Klimaschutz. „Die zunehmenden Proteste junger Menschen sind ein Signal an die Politik, endlich die Ziele des Abkommens von Paris in Deutschland umzusetzen und zielgerichtete Maßnahmen zum Schutz unseres Klimas und damit auch zum Schutz unserer Gesundheit zu ergreifen“, heißt es auch bei der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden in Deutschland. Der Studierendenverband appellierte an die Politik „endlich einen zukunftsweisenden Plan“ zum Schutz unserer Umwelt aufzustellen (siehe Beitrag ). Die Studierenden hatten bereits im November 2018 ein Positionspapier „Klimawandel und Gesundheit“ veröffentlicht. may

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema