SPEKTRUM: Leserbriefe

Unter Anklage: Mobbingsystem

Dtsch Arztebl 2000; 97(5): A-209 / B-167 / C-163

Bämayr, Argeo

Zu dem Beitrag "Jeder kann betroffen sein" von Bernhard Mäulen in Heft 48/1999:
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Über 10 000fache traumatisierende berufsgerichtliche Anklagen sind die zwangsweise Folge des obersten Prinzips des Gesetzgebers, mittels der gewollt installierten Rechtsunsicherheit in Form von Pflichten kollisionen, nicht justiziabler Begriffe (wirtschaftlich), fehlender Positiv-/Negativlisten die "Disziplinierung der Ärzte" (O-Ton Ge­sund­heits­mi­nis­terin) zu bewirken. Bestünden erfüllbare und rechtssichere Vorgaben, gäbe es nämlich keine Anklagen und Regresse. Die aus diesen Anklagen resultierende Traumatisierung ist auf eine Verkehrung der Norm- und Wertvorstellungen zurückzuführen, wenn der Arzt für seinen hohen persönlichen Einsatz Vorwürfe und Anklagen statt Lob und Anerkennung erntet. Bei Überschreitungen von Arzneimittelrichtgrößen wird die Pflichtenkollision am deutlichsten, da der Arzt immer entweder gegen diese planwirtschaftliche Rationierung verstößt oder die schadenersatzpflichtige Sorgfaltspflicht verletzt, wenn er ein Arzneimittel der billigeren dritten Wahl mit verlängertem Wirkeintritt oder vermehrten Nebenwirkungen verordnet. Die Traumatisierung kumuliert in Wirtschaftlichkeitsprüfungen weiter durch die alleinige Kostenanalyse unter grundsätzlicher Vernachlässigung von unabdingbaren Nutzenanalysen durch überwiegend fachmedizinische Laien, welche gesetzestreu die hellseherische Fähigkeit verlangen, zum Verordnungszeitpunkt die Wirtschaftlichkeit vorherbestimmen zu müssen. Vollends psychotraumatisiert werden in diesem perfiden Mobbingsystem (gleich strukturelle Gewalt) besonders die hoch engagierten Ärzte, deren 16-Stunden-Tag mittels Plausibilitätsprüfungen unter dem impliziten Betrugsvorwurf auf einen 10-Stunden-Tag heruntergebrochen wird mit der Folge, im "Wiederholungsfall" der Kassenzulassung beraubt zu werden. Die Folgen der Traumatisierung . . . bedürfen einer forcierten multiprofessionellen wissenschaftlichen Aufklärung . . Dr. med. Argeo Bämayr, Bahnhofstraße 17, 96450 Coburg


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