ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2000Unter Anklage: Mir ist kein seelischer Schaden entstanden

SPEKTRUM: Leserbriefe

Unter Anklage: Mir ist kein seelischer Schaden entstanden

Dtsch Arztebl 2000; 97(5): A-212 / B-169 / C-165

Körbel, Karl Hans

Zu dem Beitrag "Jeder kann betroffen sein" von Bernhard Mäulen in Heft 48/1999:
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LNSLNS . . . Nach 44 Jahren chirurgischer Tätigkeit spreche ich aus eigener Erfahrung. Bei einer durchschnittlichen Frequenz von 1 000 Eingriffen pro Jahr sowohl in Allgemein- als auch in Lokalanästhesie habe ich vier Kunstfehler - beziehungsweise Regressverfahren - schadlos überstanden. Nicht einer davon endete vor dem Strafrichter. Vielmehr stellte sich heraus, dass - ähnlich wie in den USA - materielle Interessen im Vordergrund standen, die dem Ziel der Bereicherung dienten. Es ging schlicht und einfach um Geldforderungen im Rahmen von Regressverfahren. Nicht in einem einzelnen Fall wurde die Begehrlichkeit der Kläger durch Gerichtsurteil befriedigt.
Voraussetzung ist natürlich, wie auch auf anderen Gebieten der Medizin, eine sorgfältige und detaillierte Dokumentation, mit der ein Rechtsvertreter argumentieren kann. Rechtsschutz- und Haftpflichtversicherung, die alle Risiken im Einzelfall abdecken, sind unabdingbar. Wenn auch die Prämien dafür nicht aus der Portokasse zu finanzieren sind, sollte man auf diese Rückendeckung auf keinen Fall verzichten. Immerhin geht es in aller Regel um nicht unerhebliche Summen. Damit sind die Versicherungen im eigenen Interesse durchaus bereit, ihre Versicherungsnehmer durch große Anstrengung zu unterstützen und vor allem in solchen Verfahren fachlich versierte Anwälte zu beauftragen.
Zweifelsohne sind Regressverfahren auch für den Betroffenen mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden. Nach eigener Erfahrung hält sich diese jedoch im Rahmen der üblichen Verwaltungsarbeit. Niemals hat mich ein anstehendes Verfahren an der ordnungsgemäßen Durchführung meiner täglichen Arbeiten gehindert. In keinem Fall ist mir seelischer Schaden entstanden und somit der "therapeutische Berater" erspart geblieben.
Prof. h. c. Dr. med. Karl Hans Körbel, Löwenburgstraße 10, 50939 Köln


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