ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Langzeitfolgen von gelegentlich hohem Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Alkoholexzesse in der Adoleszenz führen häufig zu erhöhtem Blutdruck

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Langzeitfolgen von gelegentlich hohem Alkoholkonsum bei Jugendlichen: Alkoholexzesse in der Adoleszenz führen häufig zu erhöhtem Blutdruck

Dtsch Arztebl 2019; 116(39): A-1725 / B-1424 / C-1396

Gerste, Ronald D.

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Foto: patrickjohn71/ stock.adobe.com
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Mit mit dem Begriff „Binge Drinking“ wird ein hoher Konsum von alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit beschrieben, zum Beispiel an einem Abend. Bei den meisten „Binge Drinkern“ gibt es mehrere solcher Ereignisse im Monat. Langfristige gesundheitliche Auswirkungen von Alkoholexzessen sind bei Heranwachsenden und jungen Erwachsenen bislang aber wenig untersucht.

Eines der potenziellen Risiken ist, einen erhöhten Blutdruck zu entwickeln. Eine US-amerikanische Forschergruppe hat jetzt eine Auswertung spezifischer Daten aus der National Longitudinal Study of Adolescent to Adult Health (n = 5 114) vorgelegt, bei der in 2 Zeitfenstern Heranwachsende im Alter zwischen 12 und 18 Jahren und junge Erwachsene im Alter zwischen 24 und 32 Jahren erfasst wurden.

Ein erhöhter Blutdruck ist in den USA definiert als systolischer Wert von ≥ 130 mm Hg und/oder als diastolischer Wert von ≥ 80 mm Hg.

Nach dieser Definition lag bei jungen Erwachsenen, die in ihrer Jugend unregelmäßig, nämlich weniger als einmal pro Woche, massiv Alkohol getrunken hatten, häufiger ein erhöhter Blutdruck vor. Die Odds Ratio (OR) betrug in dieser Gruppe 1,23; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,02; 1,49].

Noch ausgeprägter war die Assoziation bei jenen, die mehr als einmal pro Woche intensiv Alkohol zu sich genommen hatten: Die OR für Hypertonie betrug 1,64 [1,22, 2,22]. Am größten war die Wahrscheinlichkeit einer Blutdruckerhöhung bei jenen Studienteilnehmern, die sowohl in der Teenagerzeit als auch im jungen Erwachsenenalter häufig an Alkoholexzessen teilnahmen: Die OR lag dann bei 2,43 [1,13; 5,20]. Frauen waren ganz besonders durch Binge Drinking bluthochdruckgefährdet: Die OR betrug für junge erwachsene Frauen 5,81 [2,26; 14,93].

Die Assoziation zwischen erhöhtem Blutdruck und Trinkgelagen war unabhängig von anderen Risikofaktoren der Blutdruckerhöhung wie Rauchen oder Adipositas. Studienteilnehmer, die über häufigeres Binge Drinking berichteten, rauchten auch vergleichsweise häufig, nämlich zu 54 %.

Fazit: „Die vorliegende Studie belegt an einer großen Kohorte, dass bei Adoleszenten und jungen Erwachsenen die Wahrscheinlichkeit für erhöhen Blutdruck mit zunehmender Frequenz der Alkoholexzesse ansteigt“, erläutert Prof. Dr. med. Petra Reinecke vom Institut für Pathologie der Universität Düsseldorf. Reinecke gibt allerdings zu bedenken, dass in der Studie weder Daten zum wichtigen Risikofaktor Salzkonsum noch zur Einnahme oder Nichteinnahme von Antihypertensiva berücksichtigt worden sind. Diese Parameter wären jedoch für eine detaillierte Interpretation der Risikoabschätzung eines Bluthochdrucks erforderlich gewesen.

Zu bedenken sei auch, dass bis zum 25. Lebensjahr, also in den untersuchten Altersgruppen, die Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen sei, kommentiert Reine-cke. „Durch Binge Drinking kann sich die Hirnstruktur und dabei vor allem die weiße Substanz verändern. Betreffen solche Schädigungen den Hippocampus, kann dies zu gravierenden Störungen der Gedächtnisleistung führen.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Hayibor LA, Zhang J, Duncan A: Association of binge drinking in adolescence and early adulthood with high blood pressure: findings from the National Longitudinal Study of Adolescent to Adult Health (1994–2008). Epidem Com Health 2019; 73: 652–59.

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