ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Stoffwechselerkrankungen bei Kindern: Übergewicht und metabolische Störungen entwickeln sich bei Kindern selten zurück

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Stoffwechselerkrankungen bei Kindern: Übergewicht und metabolische Störungen entwickeln sich bei Kindern selten zurück

Dtsch Arztebl 2019; 116(39): A-1725 / B-1424 / C-1396

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Africa Studio/stock.adobe.com
Foto: Africa Studio/stock.adobe.com

Metabolische Risikofaktoren, die in der frühen Kindheit auftreten, können sich bis zum Erwachsenenalter wieder zurückbilden, aber auch weiterbestehen. Wie häufig beides ist, war Fragestellung der europäischen IDEFICS/I.Family-Kohortenstudie. 8 nord-, süd-, ost- und westeuropäische Länder haben teilgenommen inklusive Deutschland.

Die Analyse basierte auf den Daten von 6 768 Kindern, die im Alter zwischen 2 und < 10 Jahren erstmals auf lebensstilbedingte Erkrankungen hin untersucht worden waren und anschließend 2 weitere Male. Die Erhebungen umfassten körperliche Untersuchungen und Laboranalysen von Blut-, Speichel-und Urinproben. Außerdem wurden Familienmitglieder befragt.

Die 1. Erhebung fand in den Jahren 2007/2008 statt (T0), die 2. in den Jahren 2009/2010 (T1) und die 3. in den Jahren 2013/2014 (T3). Die Kinder waren zum Zeitpunkt T0 durchschnittlich 6,6 Jahre alt, 8,3 Jahre bei T1 und 12,0 Jahre bei T3. Es wurden der Taillenumfang gemessen, systolischer und diastolischer Blutdruck, Triglyzeride, HDL- sowie Blutglukose- und Insulinkonzentration. Die Forscher bildeten 5 Kategorien: metabolisch gesund (Status 1), abdominelle Adipositas (Status 2), Bluthochdruck (Status 3), Dyslipidämie (Status 4) und mehrere Faktoren eines metabolischen Syndroms (Status 5).

61,5 % der Kinder waren zum Zeitpunkt T0 stoffwechselgesund, 15,9 % abdominell übergewichtig, 9 % hatten Fettstoffwechselstörungen und 6,6 % mehrere Komponenten des metabolischen Syndroms.

Abdominelles Übergewicht in der frühen Kindheit prädisponierte für metabolische Störungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Lipidstörungen oder erhöhte Glukose- und/oder Insulinwerte. Bei 18,5 % der Kinder, bei denen zum Zeitpunkt T0 abdominelles Übergewicht festgestellt worden war, fanden sich zu T1 mehrere Komponenten des metabolischen Syndroms (Status 5), und 79,3 %, bei denen zur Basis schon ein deutlich erhöhter Taillenumfang vorhanden war, hatten zum Zeitpunkt T1 ebenfalls abdominelles Übergewicht.

Bei 99,8 % mit Status 5 bei der 1. Erhebung bestand dieser Status auch zum Zeitpunkt T1 und bei 88,3 % weiter (T1→ T3). Kinder dagegen, die bei der 1. Untersuchung metabolisch gesund waren, blieben dies zu 86,6 % für weitere 2 Jahre und meist auch länger (90,1 % T1→ T3).

Fazit: Bei Übergewicht in der frühen Kindheit entwickeln sich in den Folgejahren häufig metabolische Störungen wie Bluthochdruck, Lipidstoffwechselstörungen und Hyperglukosämie oder Hyperinsulin-ämie. Außerdem schaffte es kaum ein Kind aus der Gruppe mit mehreren Komponenten des metabolischen Syndroms bei der Ausgangserhebung im 6-Jahres-Zeitraum zurück in den metabolisch gesunden Status. Die Daten unterstreichen, wie wichtig es ist, bei Übergewicht frühzeitig zu intervenieren, so die Autoren. Schon bei ersten Tendenzen zu Übergewicht sollte gegengelenkt werden, damit Kinder erst gar nicht in den kaum reversiblen metabolisch ungesunden Status gelangen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Börnhorst C, Russo P, Veidebaum T, et al.: Metabolic status in children and its transitions during childhood and adolescence – The IDEFICS/I.Family study. Intern J Epidemiol 2019; http://dx.doi.org/10.1093/ije/dyz097.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema