ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2000Schlaganfall: Fraglicher Nutzen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Schlaganfall: Fraglicher Nutzen

Dtsch Arztebl 2000; 97(5): A-212 / B-169 / C-165

Faßbender, Klaus

Zu dem Medizinreport "Biochemische Marker ermöglichen Prognose" von Thomas Ziegler in Heft 46/1999:
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LNSLNS . . . Bereits 1997 beschrieb unsere Arbeitsgruppe die Assoziation von erhöhten S-100- Konzentrationen im Serum mit Infarktgröße und klinischem Verlauf (J Neurol Sci 1997, Vol 148). Hingegen kamen wir zu dem Schluss, dass der prognostische klinische Nutzen des S-100-Proteins und auch der NSE fraglich ist, da (wie auch in der besprochenen Studie bestätigt) eine signifikante Erhöhung des S-100 erst nach ein bis zwei Tagen erfolgt, das heißt jenseits der Zeit, in der therapeutische Entscheidungen getroffen werden.
Überhaupt nicht diskutiert wird die Tatsache, dass - im Gegensatz zu den genannten Labormarkern - die diffusionsgewichtete Magnetresonanztomographie schon nach Minuten die sich entwickelnde Läsion klar darstellt. Die Magnetresonanztomographie zeigt nicht nur die Ausdehnung, die für die Entwicklung eines "malignen Infarktes" entscheidend ist, sondern auch den Ort der Läsion, der für die entstehende Symptomatik bestimmend ist.
In der zitierten Studie an 23 Patienten war das Auftreten neuropsychologischer Symptome nicht signifikant mit Serumspiegel dieser Moleküle assoziiert. Erstaunlicherweise kamen die Autoren dennoch zum Schluss, dass diese Marker einen hohen prädiktiven Wert für das frühe neuropsychologische "Outcome" haben. Die Ergebnisse dieser Studie lassen diesen Schluss nicht zu . . .
Klinische Einsatzmöglichkeiten für S-100 und NSE in der Neurologie gibt es dennoch. So ist das Ausmaß einer globalen hypoxischen Hirnschädigung (zum Beispiel nach kardialen Notfällen) auf Grund des sehr diffusen Schädigungsmusters des Hirnparenchyms nur ungenügend mit der bisherigen Bildgebung zu erfassen, während die genannten Laborparameter hierbei prognostisch relevante Hinweise über das Ausmaß der Hirngewebeschädigung geben können (Martens et al., Stroke 1998, Vol 29).
Priv.-Doz. Dr. Klaus Faßbender, Neurologische Universitätsklinik Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer, 68135 Mannheim


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