ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Colitis ulcerosa: Biologika im Direktvergleich

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Colitis ulcerosa: Biologika im Direktvergleich

Dtsch Arztebl 2019; 116(39): A-1727

Hausmann, Ralph

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In einer Head-to-Head-Studie schnitten Patienten mit Colitis ulcerosa unter Therapie mit dem Integrin-Antagonisten Vedolizumab besser ab als unter dem TNF-α-Antagonisten Adalimumab.

Bei chronisch entzündlichen Darm­er­krank­ungen (CED) existierte bisher kein direkter Vergleich von 2 Biologika. In der ersten Head-to-Head-Studie VARSITY wurden nun Vedolizumab und Adalimumab bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa (CU) miteinander verglichen. An der doppelblinden, aktiv kontrollierten Phase-3b-Studie im Double-Dummy-Design waren 330 Studienzentren in 37 Ländern beteiligt (1).

Die 1:1 randomisierten 769 Patienten erhielten den darmselektiv wirkenden Integrin-Antagonisten Vedolizumab i.v. (Entyvio®, Takeda) plus Placebo s.c. oder den TNF-α-Antagonisten Adalimumab s.c. plus Placebo i.v. Eine konventionelle Therapie hatte bei ihnen nicht angesprochen, 25 % waren mit einem TNF-α-Antagonisten vortherapiert.

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Der primäre Endpunkt klinische Remission war definiert als ≤ 2 Punkte im Gesamt-Mayo-Score oder kein einzelner Subscore > 1 Punkt in Woche 52. Diesen Endpunkt erreichten signifikant mehr Patienten mit Vedolizumab im Vergleich zu Adalimumab: 31,3 % gegenüber 22,5 %. Auch beim sekundären Endpunkt Mukosaheilung, definiert als ≤ 1 Punkt im endoskopischen Mayo-Subscore in Woche 52, kam es zu einer signifikanten Überlegenheit unter Vedolizumab. (39,7 % vs. 27,7 %).

Histologischer Vorteil

Auch bei der histologischen Remission lag der Vorteil bei dem Integrin-Antagonisten: Der Geboes-Score betrug unter Vedolizumab 33,4 % (Adalimumab: 13,7 %). Die entsprechenden Werte auf dem Robarts-Histopathologie-Index lagen bei 42,3 % und 25,6 % (2).

Für Prof. Dr. med. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Kiel, gehört zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie, dass die Unterschiede im klinischen Ansprechen zugunsten von Vedolizumab bereits frühzeitig erkennbar waren und ab Woche 14 das Signifikanzniveau erreichten. Bezüglich der kortikoidfreien Remission in Woche 52 bei denjenigen Patienten, die zu Studienbeginn Kortikosteroide erhalten hatten, wurde kein signifikanter, aber ein numerischer Unterschied zugunsten von Adalimumab beobachtet.

In VARSITY konnte das Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Vedolizumab bestätigt werden. Bei insgesamt 62,7 % der Patienten wurde ein unerwünschtes Ereignis beobachtet, in der Adalimumab-Gruppe bei 69,2 %. Die expositionsadjustierte Infektionsrate betrug 33,5 % unter Vedolizumab und 43,5 % unter Adalimumab. „Die Ergebnisse von VARSITY unterstützen die Therapie mit Vedolizumab als Erstlinienbiologikum“, resümierte Schreiber.

Die Effektivität einer Erst- und Zweitlinientherapie mit Biologika bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer CU wurde unter anderem in einer systematischen Übersichtsarbeit mit einer Netzwerk-Metaanalyse von randomisiert-kontrollierten Studien untersucht (3). Alle Studien waren ohne Head-to-Head-Vergleich vorgenommen worden.

Zu den wichtigen Erkenntnissen aus dieser Arbeit gehört, dass sich alle zugelassenen Biologika gegenüber Placebo als wirksam erwiesen. Bei Biologika-naiven Patienten schnitten Infliximab und Vedolizumab bezüglich der klinischen Remission und der Mukosaheilung am besten ab. Vedolizumab zeigte die niedrigste Rate an schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und Infektionen.

Erfahrungen aus der Praxis

Die in den letzten 5 Jahren in der Praxis gesammelten Erfahrungen mit Vedolizumab bei CU und Morbus Crohn (MC) deckten sich mit den Ergebnissen der randomisiert- kontrollierten Studien, betonte PD Dr. med. Ulf Helwig, niedergelassener Gastroenterologe aus Oldenburg. Dies belege unter anderem eine Literaturübersicht mit Metaanalyse zur Wirksamkeit von Vedolizumab im Praxisalltag bei CED-Patienten (4).

In Behandlungswoche 14 befanden sich 32 % der CU-Patienten und 30 % der MC-Patienten in Remission, im 12. Monat waren es 46 % und 30 %. Die Raten an kortikosteroidfreien Remissionen lagen bei den CU-Patienten in Woche 14 bei 26 % und nach einem Jahr bei 42 %; beim MC betrugen die Raten 25 % und 31 %. Bei 9 % trat ein schweres unerwünschtes Ereignis auf. Diese Daten stimmten mit denen der klinischen Studien überein und unterstützten das langfristige Nutzen-Risiko-Profil von Vedolizumab, so die Autoren der Analyse. Dr. Ralph Hausmann

Quelle: Study Talk „VARSITY – erste Head-to-Head-Studie in der CED: Vedolizumab vs. Adalimumab zeigte Überlegenheit bei Colitis ulcerosa“, Hamburg, 13. Juni 2019; Veranstalter: Takeda Pharma

1.
Schreiber S et al.: J Crohns Colitis 2019; 13 (Supplement 1): S612–613 (Abstract OP34) CrossRef
2.
Sands BE et al.: Digestive Disease Week 2019, San Diego, Abstract 416a.
3.
Singh S et al.: Aliment Pharmacol Ther 2018; 47 (2): 162–75.
4.
Schreiber S et al. J Gastroenterol 2018; 53 (9): 1048–64 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Schreiber S et al.: J Crohns Colitis 2019; 13 (Supplement 1): S612–613 (Abstract OP34) CrossRef
2.Sands BE et al.: Digestive Disease Week 2019, San Diego, Abstract 416a.
3.Singh S et al.: Aliment Pharmacol Ther 2018; 47 (2): 162–75.
4.Schreiber S et al. J Gastroenterol 2018; 53 (9): 1048–64 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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