ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2019Transfusionsmedizin: Risikofreies Plasma
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... Reisetätigkeit und Klimawandel bergen die Gefahr des Auftretens von Infektionskrankheiten, für die wir bislang keine sicheren Nachweismethoden haben. Umso mehr müssen wir sicherstellen, dass die verfügbaren Methoden der Pathogenreduzierung konsequent angewendet werden. Eine unerkannte virale Infektion nur eines Spenders kann bei gepoolten Plasmapräparaten unermesslichen Schaden bedeuten. Aber auch wenn es nur einen Empfänger beträfe, trägt das Gesundheitswesen die volle Verantwortung.

Als ehemalige Direktorin des Institutes für Transfusionsmedizin (1999–2014) am Universitätsklinikum in Jena darf ich zu dem Artikel ergänzen, dass wir als erste Einrichtung in Deutschland die Zulassung für „Gefrorenes pathogenreduziertes Apheresefrischplasma Th-J“ PEI. H.11468.01.1 erhielten. Im Zeitraum 3/2011 bis 8/2013 wurden 12 883 Transfusionseinheiten dieses Plasmas transfundiert ohne dass eindeutige Transfusionsreaktionen nachzuweisen waren.

Da die Pathogenreduzierung nicht gewährleistet, dass intrazelluläre Krankheitserreger (beispielsweise in Restleukozyten) deaktiviert werden, haben wir unmittelbar bei unserer Herstellung nach der Plasmapherese mittels eines Filters (Plasmaflex 4) diese eliminiert und dann erst erfolgte die Pathogenreduzierung mit dem Amotosalen-Verfahren, wo ja noch ein 2. Filterschritt erfolgt. Nur so erhielten wir ein „zellfreies“ Plasma, dass hinsichtlich möglicher Infektionen praktisch risikofrei war. Diese Präparate wurden in unserem Klinikum erfolgreich auch bei Plasmaaustauschtherapien verwendet. Die auf übliche Weise schockgefrorenen Plasmen konnten bereits einen Tag nach Herstellung den Antrag stellenden Kliniken zur Verfügung gestellt werden. Die Kosten einer Quarantäne-Gefrierlagerung oder ein Verwerfen der Produkte entsprechend dem Verfallsdatum gab es nicht.

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Dass aus Kostengründen Pathogendeaktivierung oder die Herstellung von zellfreiem Blutplasma in Deutschland infrage gestellt werden darf, widerspricht dem Anliegen des Transfusionsgesetzes. Das sollte auch die Verwaltungsbehörden in unserem Gesundheitswesen (auch mit Blick auf unsere Nachbarländer) aufschrecken lassen. Ein Infektionsskandal, wie er bereits einmal bei der iatrogenen Verbreitung der Hepatitis-C durch die Anwendung von gepooltem Blutplasma aufgetreten ist, darf sich in Deutschland auf keinen Fall wiederholen.

Univ. Prof. (em.) Dr. med. Dagmar Barz, 18209 Bad Doberan

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