ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Portkomplikation durch Curcumin-Infusion

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Portkomplikation durch Curcumin-Infusion

Port occlusion due to curcumin infusion

Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 678; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0678

Kildal, Daniela; Feldhaus, Felix Wilhelm; Gebauer, Bernhard

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Explantat mit geöffneter Portkammer
Explantat mit geöffneter Portkammer
Abbildung
Explantat mit geöffneter Portkammer

Eine Patientin mit metastasiertem Endometriumsarkom stellte sich wiederholt wegen Portkatheterverschluss vor. Die Abbildung zeigt das Explantat mit geöffneter Portkammer, die mit einem öligen Granulat belegt ist. Der Auslassstutzen ist mit einer gelben Substanz zugesetzt, Septum und Polyurethankatheter sind sattgelb verfärbt. Als wahrscheinlichste Ursache ermittelten wir regelmäßige Curcumin-Infusionen, die ohne Rücksprache mit der Onkologie privat in einer ärztlich geführten Praxis verabreicht wurden. Die Patientin erhielt anamnestisch keine weiteren färbenden Substanzen über den Port. Curcumin ist eine instabile, reaktive Verbindung mit geringer oraler Bioverfügbarkeit. Sie wird im Rahmen alternativer beziehungsweise integrativer Tumortherapien als Infusion verabreicht. Anwendungsgebiete sind – trotz kritischer Studienlage zur Wirkung beim Menschen – unter anderem kolorektale Karzinome, Pankreaskarzinome dermatologische oder neurologische Erkrankungen. Bei Endometriumsarkomen fanden wir keine entsprechenden Studien. Curcumin kann zudem die Wirkung einiger Chemotherapeutika einschränken. Auch sind teils schwerwiegende bis tödliche allergische Reaktionen bekannt. Im geschilderten Fall sollte daher neben der Applikation über einen Port auch die Indikation kritisch hinterfragt werden.

Dr. med. Daniela Kildal, MHBA, Universitatsklinikum Ulm, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Ulm; Daniela.Kildal@uniklinik-ulm.de

Dr. med. Felix Wilhelm Feldhaus, Prof. Dr. med. Bernhard Gebauer, Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Radiologie, Campus Virchow-Klinikum, Berlin

Interessenkonflikt: Prof. Gebauer bekam Kongressgebühren- und Reisekostenerstattung, Vortragshonorare sowie Studienunterstützung (Drittmittel) von der Firma C. R. Bard. Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Kildal D, Feldhaus FW, Gebauer B: Port occlusion due to curcumin infusion. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 678. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0678

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Explantat mit geöffneter Portkammer
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Abbildung
Explantat mit geöffneter Portkammer

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