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Anders als im Leserbrief suggeriert („Auch die Autoren sprechen von „Rückfällen“, obwohl…“) gehen wir in unserer Übersichtsarbeit ausführlich auf Rebound-Phänomene ein, wie bereits der Titel zeigt (1). Dabei handelt es sich um überschießende Gegenregulationen im Rahmen der Toleranzentwicklung, die den Krankheitsverlauf nach Absetzen der Medikation schlechter machen als er ohne Medikation gewesen wäre. Nachgewiesen ist das beispielsweise für Acetylsalicylsäure und Antihypertensiva (2).

Im Gegensatz zur Aussage der Leserbriefautoren zählen Rebound-Phänomene nicht zu den Suchtkriterien nach ICD-10. Unzutreffend wird von den Kollegen ferner das Suchtkriterium „anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen“ interpretiert. Dieses ist nicht einfach dann erfüllt, wenn die Substanz zur Vermeidung von Entzugssymptomen weiter genommen wird, denn dann wäre dieses Kriterium deckungsgleich mit dem Kriterium „Entzugssymptome“. Gemeint ist vielmehr, dass aufgrund des Drangs, die Substanz zu konsumieren, diese auch dann weiter eingenommen wird, wenn dem Betroffenen schädliche Folgen bekannt sind. Ein Beispiel wäre fortgesetzter Alkoholkonsum trotz Leberzirrhose.

Antidepressiva verursachen also wie andere Medikamente eine durch neuroadaptive Gegenregulation verursachte Toleranzentwicklung und Entzugssymptome sowie gegebenenfalls Rebound-Phänomene beim plötzlichen Absetzen. Sie sind damit keine Drogen mit Abhängigkeitspotenzial, allerdings sind die beschriebenen unerwünschten Wirkungen sehr ernst zu nehmen, insbesondere, da die Wirksamkeit von Antidepressiva nur bei schweren Depressionen belegt ist (3). Entsprechend muss die Indikation zurückhaltend gestellt und die Verordnungsdauer begrenzt werden. Das Ausschleichen sollte sehr langsam erfolgen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0677b

Dr. med. Jonathan Henssler

Lasse Brandt

Psychiatrische Universitätsklinik
der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus,

Campus Charité Mitte,
Charité Universitätsmedizin Berlin

jonathan.henssler@charite.de

Prof. Dr. med. Dr. phil. Andreas Heinz

Klinik für Psychiatrie

und Psychotherapie, Campus Charité Mitte,

Charité Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. med. Tom Bschor

Abteilung für Psychiatrie, Schlosspark-Klinik, Berlin

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus,
Technische Universität Dresden

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Henssler J, Heinz A, Brandt L, Bschor T: Antidepressant withdrawal and rebound phenomena—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 355–61. VOLLTEXT
2.
Reidenberg MM: Drug discontinuation effects are part of the pharmacology of a drug. J Pharmacol Exp Ther 2011; 339: 324–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Fournier JC, DeRubeis RJ, Hollon SD, et al.: Antidepressant drug effects and depression severity: a patient-level meta-analysis. JAMA 2010; 303: 47–53 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Henssler J, Heinz A, Brandt L, Bschor T: Antidepressant withdrawal and rebound phenomena—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 355–61. VOLLTEXT
2.Reidenberg MM: Drug discontinuation effects are part of the pharmacology of a drug. J Pharmacol Exp Ther 2011; 339: 324–8 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Fournier JC, DeRubeis RJ, Hollon SD, et al.: Antidepressant drug effects and depression severity: a patient-level meta-analysis. JAMA 2010; 303: 47–53 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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