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Es ist der katholischen Kirche hoch anzurechnen, dass sie als einzige Institution weltweit und deutschlandweit ernsthaft an einer Aufklärung und Prävention von Missbrauchsfällen in ihren Reihen arbeitet. Wo bleiben die anderen Institutionen, wie zum Beispiel Jugendämter, Schulen, Justiz? Auch in diesem Artikel wird die katholische Kirche an den Pranger gestellt (1). Wenn ein Patient über Symptome klagt, die einen möglichen Missbrauch als Ursache haben könnten, soll laut Empfehlung der Autoren „die Möglichkeit eines erlittenen Missbrauchs im Kontext der katholischen Kirche . . . behutsam exploriert werden“. Es ist jedoch zu 99,9 % von nicht durch Kleriker verübtem Missbrauch auszugehen. Außerdem sind die möglichen Symptome so unspezifisch und das Thema so heikel, dass Ärzte schlecht beraten wären, dies in der Sprechstunde anzusprechen. Aber ein offenes Ohr dafür, falls die Thematik von den Patienten kommt, sollten sie haben. Ich arbeite als Psychotherapeutin seit 30 Jahren mit Missbrauchsopfern. Eines davon war männlich und hatte einmalig eine unsittliche Aufforderung seines Priesters erlebt, der er nicht nachkam. Alle anderen Täter waren nicht klerikal, meist aus dem nächsten Umfeld der Opfer. Keines dieser Opfer hat den Täter angezeigt. Das wichtige Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen verdient es im Namen der Opfer, mit Sachverstand, ohne ideologische Scheuklappen aufgearbeitet zu werden. Eine Missbrauchspatientin von mir bemerkte neulich traurig: „Warum geht es immer nur um die Opfer von Pfarrern? Sind wir anderen Opfer (die überwältigende Mehrheit) weniger wert?“ Nein, aber es geht eben nicht um die Opfer, sondern darum, der katholischen Kirche Schaden zuzufügen und von eigener Schuld und Versäumnissen abzulenken.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0679b

Dr. med. Martina Häring

Leutkirch

martina.haering@gmx.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Dreßing H, Dölling D, Hermann D, et al.: Sexual abuse at the hands of Catholic clergy—a retrospective cohort study of its extent and health consequences for affeced minors (The MHG Study). Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 389–96 VOLLTEXT
1.Dreßing H, Dölling D, Hermann D, et al.: Sexual abuse at the hands of Catholic clergy—a retrospective cohort study of its extent and health consequences for affeced minors (The MHG Study). Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 389–96 VOLLTEXT

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