ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenKardiologie 2/2019Telemonitoring bei Herzinsuffizienz: Vorteile für Patienten in der Stadt und auf dem Land

Supplement: Perspektiven der Kardiologie

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz: Vorteile für Patienten in der Stadt und auf dem Land

Dtsch Arztebl 2019; 116(40): [17]; DOI: 10.3238/PersKardio.2019.10.04.03

Gießelmann, Kathrin

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Die deutsche Fontane-Studie belegt erstmals den Nutzen von Telemedizin für Herzpatienten. Sie könnte den Weg dafür ebnen, dass kardiotelemedizinische Leistungen Eingang finden in die Leitlinien und in den Leistungskatalog der Krankenkassen.

Die telemedizinische Mitbetreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz durch tägliche Messungen führt zu weniger Kranken­haus­auf­enthalten und zu einer längeren Lebensdauer im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Charité-Universitätsmedizin Berlin in einer prospektiven Multicenterstudie mit mehr als 1 500 Patienten, die sie im Lancet veröffentlicht haben. Die vorliegende Evidenz sollte den Weg in die Regelversorgung der Krankenkassen ebnen, hoffen die Beteiligten der Fontane-Studie.

Telemedizinpatienten verbrachten in der Studie innerhalb von einem Jahr weniger Tage aufgrund von ungeplanten kardiovaskulären Ereignissen im Krankenhaus (17,8 Tage vs. 24,2 Tagen in der Kontrollgruppe). Zudem starben von 100 Herzinsuffizienzpatienten in einem Jahr unter den regulären Bedingungen etwa 11 Patienten, mit telemedizinischer Mitbetreuung hingegen etwa 8 Patienten.

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Nutzen für Herzpatienten belegt

Auch bei den ungeplanten Krankenhaustagen wegen Herzinsuffizienz gab es mit 3,8 gegenüber 5,6 Tagen einen Vorteil für die Telemonitoring-Gruppe. Diese Ergebnisse wurden unabhängig davon erreicht, ob der Patient auf dem Land oder in der Stadt lebte.

Die Fontane-Studie (Telemedical Interventional Management in Heart Failure II, TIM-HF2) belegt somit erstmals den Nutzen von Telemedizin für Herzpatienten. Daran teilgenommen haben 113 Zentren in 14 Metropolregionen und in 11 ländlichen Regionen in 13 Bundesländern, vor allem aber in Nordbrandenburg. „Weltweit handelt es sich um eine der größten Studien zur Telemedizin“, sagte der Studienleiter Friedrich Köhler, Ärztlicher Direktor an der Charité in Berlin.

Hervorzuheben ist laut Köhler auch, dass die Telemedizinpatienten die guten Zielwerte unabhängig vom Alter erreichten. Die älteste Patientin der Studie war 92 Jahre alt. Einen leichten Vorteil hatten Männer gegenüber Frauen. „Wobei zu beachten ist, dass sich die Ehefrauen der Männer immer mitschulen ließen, wohingegen die Ehemänner dies für ihre Frauen nicht taten“, berichtet Köhler.

In einer einstündigen Einweisung erklärten Krankenschwestern den telemedizinisch mitbetreuten Patienten (n = 796) zu Beginn die 4 Messgeräte, die sie täglich anwenden mussten: ein Elektrokardiogramm (EKG) mit Fingerclip zur Messung der Sauerstoffsättigung, ein Blutdruckmessgerät, eine Waage sowie ein Tablet zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands. Über das Tablet wurden die Werte automatisch an das Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité übertragen. Ärzte und Pflegekräfte des Zentrums bewerteten die übertragenen Messwerte 24 Stunden täglich an 7 Tagen die Woche.

Dafür standen im Telemedizinzentrum eine Oberärztin und 3 Fachärzte zur Verfügung. Dazu kam ein viertes ärztliches Dienstsystem als Teil der Klinik,
5 Pflegekräfte in Berlin und 17 weitere Herzinsuffizienz-Pflegeexperten vor Ort. Bei einer Verschlechterung der Werte veränderte das Telemedizinteam zum Beispiel die Medikation, empfahl einen ambulanten Arztbesuch oder die Krankenhauseinweisung.

Die Studie könnte den Weg dafür ebnen, dass kardiotelemedizinische Leistungen Eingang finden in die Leitlinien und auch in den Leistungskatalog der Krankenkassen und somit schlussendlich in die Regelversorgung.

Schon in 2 Jahren sollen die Leitlinien zur Herzinsuffizienz überarbeitet werden, kündigte Köhler an. Die Betreuung von Herzpatienten ohne die telemedizinische Ausstattung wäre dann eine Unterlassung. Spätestens in 2–3 Jahren sollte die Technik daher allen Patienten angeboten werden.

Jetzt geht TIM-HF2 in eine neue Projektphase: „In einem nächsten Schritt möchten wir unsere erhobenen Daten gesundheitsökonomisch analysieren und prüfen, welche Kosteneinsparungen für das Gesundheitssystem durch telemedizinische Mitbetreuung möglich sind. Zudem untersuchen wir ein Jahr nach dem Studienende, ob telemedizinische Mitbetreuung auch nach ihrem Abschluss einen nachhaltigen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat“, ergänzte Köhler.

DOI: 10.3238/PersKardio.2019.10.04.03

Kathrin Gießelmann

Quelle: Koehler F, Koehler K, Deckwart O, et al.: Efficacy of telemedical interventional management in patients with heart failure (TIM-HF2): a randomised, controlled, parallel-group, unmasked trial. Lancet 2018; 392 (10152): 1047–57.

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