ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Metastasiertes Mammakarzinom: CDK4/6-Inhibitoren überzeugen

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Metastasiertes Mammakarzinom: CDK4/6-Inhibitoren überzeugen

Dtsch Arztebl 2019; 116(40): A-1786

Zart, Rüdiger

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Die Einführung der CDK4/6-Inhibitoren als Kombinationspartner zur endokrinen Therapie hat zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungssituation beim HR-positiven, HER2-negativen metastasierten Mammakarzinom geführt.

Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Krebserkrankung. Jährlich erkranken in Deutschland circa 70 000 Frauen. Damit bekommt etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens Brustkrebs, wie Prof. Dr. med. Bahriye Aktas, Leipzig, im Rahmen eines Meet-the-Expert-Gesprächs anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Berlin ausführte. Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten – auch in der metastasierten Situation – habe sich der Anspruch an die Therapie in den letzten Jahren deutlich gewandelt, betonte Prof. Dr. med. Achim Wöckel, Würzburg, und ergänzte: „Die Patientinnen möchten ihr gewohntes Leben so lange wie möglich bei guter Lebensqualität weiterführen, ohne durch Schmerzen oder andere Symptome beeinträchtigt zu sein.“

Bereits ein Jahr, nachdem Palbociclib (Ibrance®, Pfizer) als erster CDK4/6-Inhibitor in Deutschland verfügbar wurde, hatte sich die Kombination aus endokriner Therapie (ET) und einem CDK4/6-Inhibitor als eine Standardtherapie beim Hormonrezeptor-positiven (HR+), HER2-negativen (HER2–) metastasierten Mammakarzinom etabliert. Ein rasches Ansprechen, höhere Ansprechraten, eine verlängerte Hemmung des Tumorwachstums und die Erhaltung einer guten Lebensqualität machten CDK4/6-Inhibitoren zu einem idealen Kombinationspartner der ET, so Wöckel.

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Teilhabe am sozialen Leben

„Um den Patientinnen die Teilhabe am sozialen Leben zu erhalten, brauchen wir eine Therapie, die möglichst wenig hospitalisiert und möglichst schnell anspricht“, führte der Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Würzburg weiter aus. In der PALOMA-2-Studie mit 666 postmenopausalen Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom (HR+/HER2−), die zuvor keine systemische Therapie erhalten hatten, konnte für Palbociclib gezeigt werden, dass die Kombination mit Letrozol das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) signifikant verlängerte: Das mPFS lag mit Palbociclib plus Letrozol bei 27,6 Monaten versus 14,5 Monaten unter Letrozol plus Placebo (Hazard Ratio [HR]: 0,56; 95-%- Konfidenzintervall [KI]: 0,46–0,69; p < 0,0001).

Follow-up-Daten zeigen: Unter Palbociclib plus Letrozol vergingen im Median 40,4 Monate (34,747,3) gegenüber 29,9 Monaten unter Letrozol plus Placebo (25,635,1), bevor eine Chemotherapie zum Einsatz kam. Insgesamt benötigen Patientinnen mit Palbociclib als Erstlinientherapie im Median 3 Jahre lang keine Chemotherapie. Die meisten Patientinnen seien sehr froh, wenn ihnen die Chance auf mehrere Jahre mit einer allgemein gut verträglichen Therapie in Aussicht gestellt würde, bevor eine Therapie notwendig werde, an die viele keine guten Erinnerungen hätten, so Aktas.

„Die Evidenzlage ist eindeutig und wird durch erste Daten zu einem verbesserten Gesamtüberleben unter CDK4/6-Inhibitoren weiter erhärtet“, erklärte Wöckel und betonte: „Wichtig ist für uns aber auch, dass die weiteren Therapieoptionen nach den CDK4/6-Inhibitoren unbeeinträchtigt bleiben.“ CDK4/6-Inhibitoren zeichneten sich, so die Experten, durch ein gut handhabbares Nebenwirkungsprofil aus. Mittlerweile ist Palbociclib seit circa 2,5 Jahren in Deutschland und seit knapp 4,5 Jahren in den USA zugelassen. Weltweit haben mehr als 210 000 Patientinnen Palbociclib erhalten.

Keine neuen Sicherheitssignale

„Neue Sicherheitssignale ergaben sich dabei nicht“, sagte Carl Janssen, Leiter der Sparte Onkologie von Pfizer in Deutschland. „Die bei allen 3 verfügbaren CDK4/6-Inhibitoren häufig auftretenden Neutropenien sind meist sogar asymptomatisch“, ergänzte Aktas. Durch die Möglichkeiten eines Therapiemanagements mit Dosisreduktionen und Pausen seien nebenwirkungsbedingte Abbrüche extrem selten.

Aktas setzt die Kombinationstherapie bevorzugt in der Erstlinie ein und erläuterte: „Um die Erkrankung so lange wie möglich zu kontrollieren und die Lebensqualität auf gutem Niveau stabil zu halten, handele ich nach dem Prinzip, CDK4/6-Inhibitoren so früh wie möglich einzusetzen, damit die Patientinnen bestmöglich von deren Potenzial profitieren.“

Beide Experten begrenzen den Einsatz der CDK4/6-Inhibitoren nicht auf bestimmte Altersgruppen oder Metastasierungsmuster. Eine Erstlinien-Chemotherapie beim HR+/ HER2– metastasierten Brustkrebs sei heutzutage nur noch in wenigen Ausnahmefällen notwendig, betonte Wöckel. Rüdiger Zart

Quelle: Meet the Expert „Therapie des metastasierten Mammakarzinoms – State of the art“ anlässlich des Senologie-Kongresses, Berlin, 27. Juni 2019; Veranstalter: Pfizer Deutschland GmbH

1.
Rugo HS, et al.: Breast Cancer Res Treat 2019; 174 (3): 719–29 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Im SA, et al.: N Engl J Med 2019; 381: 307–16.
1. Rugo HS, et al.: Breast Cancer Res Treat 2019; 174 (3): 719–29 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2. Im SA, et al.: N Engl J Med 2019; 381: 307–16.

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