ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Chronische Niereninsuffizienz: Selbst bei leicht Frühgeborenen ist das Risiko für Nierenschädigungen erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Niereninsuffizienz: Selbst bei leicht Frühgeborenen ist das Risiko für Nierenschädigungen erhöht

Dtsch Arztebl 2019; 116(40): A-1785 / B-1476 / C-1448

Gerste, Ronald D.

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Foto: Tobilander/stock.adobe.com
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Im letzten Schwangerschaftstrimester werden mehr als 60 % der Nephrone angelegt. Eine frühzeitige Geburt unterbricht diesen Prozess. Während bekannt ist, dass ein vorzeitiger Geburtstermin mit einem erhöhten Risiko eines Nierenversagens während der Kindheit einhergeht, sind die langfristigen Risiken dieser Individuen während des Erwachsenenalters kaum erforscht.

In Schweden ist eine nationale Kohortenstudie mit dem Ziel durchgeführt worden, die Beziehung zwischen Frühgeburten und langfristigen Risiken für chronische Nierenkrankheiten (CKD, chronic kidney disease) zu evaluieren. Ausgewertet wurde das nationale schwedische Geburtsregister, in dem seit 1973 – das maximale Alter der erfassten Personen lag damit zum Untersuchungszeitpunkt bei 43 Jahren – mehr als 4,1 Millionen Geburten erfasst wurden. Bei 4 305 Teilnehmern war eine chronische Nierenerkrankung dokumentiert. Die Autoren errechneten für Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) ein doppeltes Risiko einer CKD gegenüber Normalgeborenen (Hazard Ratio [HR]: 1,94; [95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,74; 2,16] und für extreme Frühgeburten vor der 28. Schwangerschaftwoche ein 3-faches Risiko (HR: 3,01; [1,67; 5,45]). Selbst leicht zu früh geborene Kinder mit einem Gestationsalter von 37–38 Wochen hatten ein erhöhtes CKD-Risiko (HR: 1,30; [1,20; 1,40]. Die Assoziation des vorzeitigen Geburtstermins mit der Häufigkeit chronischer Nierenkrankheiten war für das jüngste Populationssegment (bis zum 10. Lebensjahr) am ausgeprägtesten, blieb aber auch für die älteren Gruppen erhöht.

Fazit: „Die Studie macht eindrucksvoll deutlich, dass wir verstärkt die Anwendung nephrotoxischer Medikamente bei Frühgeborenen vermeiden müssen“, erklärt Prof. Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, Abteilungsleiter Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie am Universitätsklinikum Gießen. Vor allem in der Neonatalogie gebe es einen hohen Off-Label-Use von Medikamenten. „Ehemalige Frühgeborene sollten wir beim Erwachsenwerden auf das erhöhte Risiko einer chronischen Nierenerkrankung hinweisen“, so Zimmer. Dies gelte vor allem bei erworbenen Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus und Hypertonie. Dr. med. Ronald D. Gerste

Crump C, Sundquist J, et al.: Preterm birth and risk of chronic kidney disease from childhood into mid-adulthood: national cohort study. BMJ 2019; doi: 10.1136/bmj. l1346.

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