ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Terminservice: Schöne neue Welt
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Zuschläge für schnelle Termine circa eine Milliarde pro Jahr. Hört sich ja gut an.

Aber: Werden denn nun die Krankenkassenbeiträge erhöht? Nein. Und nun kommt das alte Spiel mit den kommunizierenden Röhren: Extrabonbons auf der einen Seite bedingen schlechtere Konditionen in der Regelversorgung, sprich: Grundvergütung. Per Saldo also wohl eher ein Nullsummenspiel.

Aber halt: nicht ganz. Terminservicestellen und die ganze damit verbundene Bürokratie bezahlt wer gleich wieder? Die Ärzte, oder? ... Den Zuschlag gibts z. B. für Neupatienten einmal, dann ist der dauerhaft nicht mehr neu und die Praxis hat wieder einen Chroniker mehr an der Backe. (Vor Terminvergabe checken: War der in den letzten zwei Jahren nicht doch da?) Da Termine nicht beliebig vermehrbar sind, wird sich die Terminlage aber gerade bei Bestandspatienten drastisch verschlechtern. Die gehen dann via TSS zum Ärztehopping über, kostenpflichtig vermittelt vom Hausarzt. Und bekanntermaßen nehmen 20 Prozent der TSS-Patienten den Termin nicht wahr.

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Hausärzte werden mit Druck versuchen, Facharzttermine zu erpressen, um die Prämie zu kassieren. Eine wilde Herumtelefoniererei mit weiterer Spaltung der Ärzte in Haus-/Facharztlager wird die Folge sein.

Schöne neue Welt. Danke, Herr Spahn!

Dr. med. Rupert Holderied, 85540 Haar

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