ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Belegärzte: Qualität hängt nicht von Größe ab
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Statt des teuren hauptamtlichen Systems mit vom Träger zu bezahlenden Chef- und Assistenzärzten könnten diese (kleinen Krankenhäuser, Anm. d. Red.) in ein kooperatives Belegarztsystem umgewandelt werden, zum Beispiel für Innere und Chirurgie. Dies wäre erheblich kostengünstiger. Die durch Schließung dieser Häuser wegfallende Ermächtigung der Chefärzte verschlechtert die ambulante fachärztliche Medizin. Bei den ungünstigen Verkehrsverhältnissen im ländlichen Raum wäre die Besuchstätigkeit der Familie wesentlich erleichtert, wichtig gerade bei älteren Patienten. Durch Integration der Praxis in das Haus kann durch Doppelnutzung von Personal, Räumen und Geräten die Wirtschaftlichkeit erheblich verbessert werden. Ärztlicher Nachwuchs aus der Region könnte an diesem Haus sein Pflegepraktikum, seine Famulatur und auch große Teile zur Weiterbildung zum Allgemeinarzt erbringen und sich dann in seiner vertrauten Region als Landarzt niederlassen, wirkungsvoller und kostengünstiger als die jetzt eingeführten Zuschüsse zum Studium unter der Voraussetzung, sich dann im ländlichen Bereich niederzulassen.

Und zur Behauptung, kleine Krankenhäuser liefern eine schlechte Qualität: Im Klinikcheck aller Krankenhäuser in der Metropolregion Nürnberg schnitten kleine Krankenhäuser nicht schlechter ab als Großkliniken. Im Gegenteil: In allen vergleichbaren Diagnosen wie Pneumonie oder Dekubitus schnitt unser kleines Haus besser ab als das Klinikum Nürnberg. Allerdings, und das gilt für jeden Arzt, ambulant oder stationär: Jeder muss seine Grenzen kennen. Dass ein akuter Herzinfarkt, ein Apoplex in ein entsprechendes Zentrum gehören, ebenso wie die OP, eines Pankreastumors, ist völlig klar. Aber es gibt so viele Krankheiten gerade bei älteren Patienten wie Pneumonie, Blutdruckkrisen oder entgleister Diabetes, die zwar einen stationären Aufenthalt benötigen, aber nicht den Aufwand in einer weiter entfernten Großklinik. Ganz im Gegenteil. Diese Häuser könnten von diesen „Bagatellfällen“ entlastet werden und sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren: Spitzenmedizin bei entsprechenden Krankheiten.

Deshalb meine Aufforderung an Gesundheitspolitiker, Krankenhausträger und Krankenkassen: Lassen Sie los von dem Aberglauben, dass die Qualität einer medizinischen Leistung von der Größe eines Hauses abhängig ist. Unabhängig davon wäre mein Vorschlag insgesamt kostengünstiger und patientenfreundlicher.

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Dr. med. Klaus Reichel, 91217 Hersbruck

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