ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Stationäre Versorgung: Bundesländer weichen aus
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Die Bundesländer sind für Zulassung von Krankenhäusern zuständig – entsprechend einem Krankenhausbedarfsplan. Im Umkehrschluss sind sie auch für Schließung zuständig, wenn zu viel Krankenhausbetten zur Verfügung stehen. In den letzten 50 Jahren ist durch Fortschritte in der Medizin der Bedarf an Krankenbetten zurückgegangen. Dafür zwei Beispiele: In der Unfallchirurgie ist die Liegedauer beim Oberschenkelschaftbruch von früher ungefähr acht (!) auf nun etwa eine Woche zurückgegangen durch Einführung operativer Verfahren; in der Abdominalchirurgie durch Einführung der laparaskopischen Methode (der sogenannten Knopflochchirurgie) von einer Woche auf drei Tage – beim sonst Gesunden.

Sinnvollerweise hätte man die Krankenbettenzahlen schrittweise dieser Entwicklung anpassen müssen, das heißt man hätte auch ganze Krankenhäuser schließen müssen – natürlich nach planmäßiger Übergangszeit. Leider sind die Bundesländer dem ausgewichen und haben stattdessen „überflüssige“ Häuser dem freien Markt überlassen (Privatisierung). Das verträgt sich aber nicht mit einem solidarisch finanzierten Gesundheitswesen, dass neben das eigentliche Ziel, das Patientenwohl, Renditeüberlegungen treten.

Die Verkürzung der durchschnittlichen Krankenhausliegezeiten hat zur Änderung der bisherigen Abrechnung pro Krankenhaustag führen müssen, da die Tagessätze die Kosten nicht mehr abdeckten. So wurde schließlich das sogenannte DRG-System (Diagnosebezogene Gruppen) eingeführt, das ursprünglich in Australien – allerdings nur für einen begrenzteren Krankenbereich – entwickelt wurde. Durch dieses System werden apparative Maßnahmen bevorzugt – wiederum zum Schaden einer rein auf das Patientenwohl ausgerichteten Medizin.

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Im Übrigen wäre eine Reduzierung der Krankenbetten beziehungsweise der Krankenhäuser auch eine Maßnahme, den bestehenden Mangel an Pflegekräften und auch Ärzten zu mildern, da diese Kräfte ja in anderen Häusern dringend gesucht werden.

Prof. em. Dr. med. Dr. h. c. F.-W. Eigler, 45134 Essen

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