ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2019Deutscher Hausärzteverband: Hausarzt als erste Anlaufstelle

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Deutscher Hausärzteverband: Hausarzt als erste Anlaufstelle

Dtsch Arztebl 2019; 116(40): A-1764 / B-1458 / C-1430

Korzilius, Heike

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Der Deutsche Hausärzteverband will die hausarztzentrierte Versorgung weiter ausbauen und möglichst flächendeckend ausrollen. Er legt Wert darauf, dass dies außerhalb des Systems der Kassenärztlichen Vereinigungen in Eigenregie der Hausärzte geschieht.

Wiedergewählt: Ulrich Weigeldt wurde beim 40. Deutschen Hausärztetag mit 90 von 120 abgegebenen Stimmen als Bundesvorsitzender bestätigt. Er stand dem Deutschen Hausärzteverband von 2003 bis 2005 vor, wechselte dann als Vorstand zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das Amt gab er 2007 auf und wurde im selben Jahr als Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes wiedergewählt. Foto: axentis.de/Lopata
Wiedergewählt: Ulrich Weigeldt wurde beim 40. Deutschen Hausärztetag mit 90 von 120 abgegebenen Stimmen als Bundesvorsitzender bestätigt. Er stand dem Deutschen Hausärzteverband von 2003 bis 2005 vor, wechselte dann als Vorstand zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Das Amt gab er 2007 auf und wurde im selben Jahr als Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes wiedergewählt. Foto: axentis.de/Lopata

Eine bessere Koordination der Behandlung, damit Patienten an der optimalen Stelle versorgt werden – das hat sich der Deutsche Hausärzteverband auf die Fahne geschrieben. Eine der Hauptaufgaben des Verbandes in den nächsten Jahren sei es deshalb, die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) weiter auszubauen und flächendeckend auszurollen, erklärte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt zum Auftakt des 40. Deutschen Hausärztetages am 26. September in Berlin.

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Boni für Patienten

Der Hausärzteverband verfüge inzwischen über elf Jahre Erfahrung mit der HZV. 16 000 Hausärzte und 5,4 Millionen Versicherte beteiligten sich freiwillig an den Hausarztverträgen. Dazu kämen noch einmal zwei Millionen Versicherte, die in Add-on-Verträge eingeschrieben seien, die nicht über die hausärztliche Vertragsgemeinschaft, sondern über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) abgerechnet würden. Inzwischen sei die HZV nicht nur in den Kernländern Baden-Württemberg und Bayern ein bedeutender Versorgungsfaktor, betonte Weigeldt. Sie breite sich auch in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg weiter aus. Entscheidend sei jedoch, dass die Hausärzte selbst die HZV-Verträge mit den Krankenkassen vereinbarten. Versuchen der KVen, diese Versorgungsform in die Regelversorgung zu überführen, erteilte Weigeldt eine Absage. Die HZV gehöre in die Hände der Hausärzte und dürfe nicht in den Mühlen der Facharztmehrheiten im KV-System zermahlen werden. Die Delegierten bekräftigten diese Aussage in mehreren Beschlüssen. Seit Jahren gestalteten die HZV-Vertragspartner die regionale Versorgung deutlich besser und koordinierter als dies in der Regelversorgung möglich sei, weil Hausärzte die Vertragsinhalte für Hausärzte verhandelten, heißt es dort. Um die HZV für Patienten attraktiver zu machen, setzt sich der Hausärzteverband dafür ein, diese an möglichen Einsparungen durch die koordinierte Versorgung zu beteiligen. Das könne beispielsweise in Form von Boni oder ermäßigten Zuzahlungen geschehen.

Weigeldt hob die gestiegene Anerkennung und das bessere Image der Allgemeinmedizin hervor. Das zeige sich auch daran, dass die Abschlüsse im Fach stiegen und es inzwischen an allen medizinischen Fakultäten Lehrstühle gebe. Auch der Hausärzteverband fördere über seine Stiftung Perspektive Hausarzt den hausärztlichen Nachwuchs. Allerdings gebe es noch viel zu tun, so der Hausärzte-Chef. Denn zum einen gingen in den kommenden Jahren viele Hausärzte in den Ruhestand. Zum anderen achte die nachfolgende Generation auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Deshalb würden mehr Hausärzte gebraucht.

Die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, Anke Richter-Scheer, sprach sich dafür aus, die Kompetenz der Hausärzte auch in Gesetzgebungsverfahren besser zu nutzen. So sollte beispielsweise das elektronische Rezept durch Ärzte an der Basis auf seine Praxistauglichkeit getestet werden. Auch bei der Ausgestaltung des Entlassmanagements sei die Erfahrung der Hausärzte nicht ausreichend eingeflossen. Dabei seien sie diejenigen, die Therapieempfehlungen und eine leitliniengestützte Behandlung so umsetzen müssten, dass die Patienten nicht durch Übertherapie zu Schaden kämen.

Einheitliche Weiterbildung

Sowohl Richter-Scheer als auch Weigeldt sprachen sich für eine qualitativ hochwertige allgemeinärztliche Weiterbildung aus. „Man kann nicht Facharzt für Allgemeinmedizin werden, ohne dass man einen Weiterbildungsabschnitt in einer Hausarztpraxis absolviert hat“, sagte Weigeldt. Er warnte die Lan­des­ärz­te­kam­mern davor, im Rahmen der Umsetzung der Weiterbildungsreform, die der Deutsche Ärztetag im vergangenen Mai beschlossen hatte, Standards zu verwässern. So habe die Ärztekammer Bremen vor Kurzem entschieden, dass die Facharztanerkennung Allgemeinmedizin erworben werden könne, ohne einen Weiterbildungsabschnitt bei einem Facharzt für Allgemeinmedizin zu absolvieren. Richter-Scheer regte an, dass auch Internisten, die hausärztlich tätig sein wollten, künftig einen Weiterbildungsabschnitt in der Hausarztpraxis absolvieren. Heike Korzilius

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