ArchivDeutsches Ärzteblatt27/1996Dr. Wittek zu den EBM-Änderungen: Notlösung für stabilere Punktwerte

POLITIK: Aktuell

Dr. Wittek zu den EBM-Änderungen: Notlösung für stabilere Punktwerte

Maus, Josef

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LNSLNS Die Korrekturen am neuen EBM sind aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in erster Linie als Notbremse zu verstehen. Vor allem mit der Einführung von Teilbudgets und Höchstpunktzahlen (Deutsches Ärzteblatt, Heft 26/1996) soll die massive Mengenentwicklung in bestimmten Leistungsbereichen gestoppt werden. Die KBV will auf diese Weise eine Stabilisierung der Punktwerte erreichen, damit die niedergelassenen Ärzte wenigstens halbwegs gesichert kalkulieren können.


Verständnis für die momentane Unruhe
Die mengenbegrenzenden Maßnahmen, betonte Dr. Lothar Wittek gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, gelten in dieser Form nur bis zum Jahresende. Es seien Notlösungen, deren Schwachpunkte von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nicht verkannt würden. Mit Beginn des kommenden Jahres, so der Vorsitzende der KBVGebührenordnungskommission, sollen dann die fachgruppenspezifischen, fallzahlabhängigen Praxisbudgets eingeführt werden. Wittek zeigte Verständnis für die momentane Unruhe unter den Kassenärzten: "Ich kann die Sorgen der Kollegen verstehen, aber die Lage wird sich beruhigen, sobald die ersten Abrechnungen vorliegen." Auf den ersten Blick könne die Gesamtzahl von immerhin 221 Änderungen am EBM erschrecken, räumte der bayerische KV-Vorsitzende ein. "Das ist aber weniger schlimm, als es aussieht", meinte Wittek. Die Änderungen, die für die einzelnen Fachgruppen relevant seien, paßten nämlich jeweils auf zwei DIN-A4Seiten. "Das werden die Kollegen trotz der Kürze der Zeit bewältigen können." Auch KBVHauptgeschäftsführer Dr. Rainer Hess sieht den enormen Zeitdruck, unter dem die Änderungen am EBM zustande gekommen sind: "Wir wollten aber nicht aufgrund der ersten Trendmeldungen in den blauen Dunst hinein ändern, sondern mußten schon eine hinreichende Datenlage abwarten." Hess ist davon überzeugt, daß die Software-Hersteller die Änderungen am EBM noch rechtzeitig berücksichtigen können werden.
Unterdessen arbeitet die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit Nachdruck an der Vorbereitung und Ausgestaltung der Praxisbudgets. Aus verschiedenen Kassenärztlichen Vereinigungen sind Bedenken und Proteste gegen die Beschlüsse der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung zu den Praxisbudgets laut geworden. Dazu Dr. Wittek: "Wir werden diese Kritik aufnehmen und gemeinsam die Lösungen beraten." Ein Teil des Protestes, ließ Wittek durchblicken, müsse aber wohl auch vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen in den KVen gesehen werden. Er selbst mache jedoch "keine Honorarpolitik nach Stimmungslagen".


Gespräche über Betriebskosten
Was den dennoch erhofften Konsens zwischen den verschiedenen Arztgruppen angeht, glaubt der Leiter der KBV-Honorarabteilung, Dr. Manfred Moewes, einigen Grund zur Zuversicht zu haben. Moewes verweist in diesem Zusammenhang auf Verhandlungen mit dem Berufsverband Deutscher Allgemeinärzte, dem Berufsverband der Internisten und der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände über die Ermittlung von betriebswirtschaftlichen Grundlagen. Im Modell der Praxisbudgets spielen die durchschnittlichen Betriebskosten je Arztgruppe eine bedeutsame Rolle. Die Akzeptanz der Budgetberechnungen insgesamt wird sich nicht zuletzt an dieser Frage entscheiden. Ende August, hatte Moewes angekündigt, dürften die ersten Ergebnisse vorliegen. Josef Maus

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