ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2019Risiko für Rehospitalisierungen wird gesenkt
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Mit großem Interesse habe ich die Arbeit der Kollegen Schneider et al. gelesen und möchte folgende Erfahrungen teilen (1): Es stimmt zwar, dass Psychopharmaka aufgrund ihrer Nebenwirkungsprofile zu einem Anstieg von Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen führen können. Anderseits können Antipsychotika durchaus das Risiko für Rehospitalisierungen (auch aufgrund somatischer Komorbidität) reduzieren. Paradoxerweise zeigten sich einige Kombinationen von Antipsychotika diesbezüglich gegenüber einer Monotherapie sogar überlegen (2). Weiterhin blieb unerwähnt, dass insbesondere gerontopsychiatrische Patienten eine mit Wechselwirkungen behaftete „Übertherapie“ erhalten, obwohl Polypharmazie zu einer gesteigerten Mortalität führen kann. Auch sollte die ungesunde Lebensweise von Patienten mit Psychosen hervorgehoben werden; Patienten mit Schizophrenie haben ein dreifach erhöhtes Risiko für Nikotinabusus, bewegen sich weniger und haben ein reduziertes Bewusstsein für die Behandelbarkeit von somatischen Erkrankungen (3). Patienten, selbst mit schweren somatischen Erkrankungen, lassen sich häufig nicht adäquat behandeln. Dies wiederum führt, insbesondere bei Patienten mit fehlender Behandlungseinsicht, zu einer Anregung einer Zwangsbehandlung. Diese ist aufgrund eines ausgeprägten bürokratischen Aufwandes aber unbefriedigend umsetzbar: So kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es teilweise über acht Wochen dauern kann, bis eine notwendige Operation bei einem nicht einwilligungsfähigen Patienten tatsächlich richterlich genehmigt wird. Andere Patienten wiederum sind häufig auf somatischen Stationen „nicht führbar“, was in einer Unterversorgung mündet und somit die Rate der Morbidität und Mortalität erhöhen kann. Die Versorgung psychisch Kranker zur Reduzierung somatischer Komorbidität ist also optimierbar und sollte präventive und organisatorische Maßnahmen berücksichtigen.

Leider blieben Angsterkrankungen gänzlich unerwähnt, obwohl diese mit einer höheren Prävalenzrate für kardiovaskuläre Erkrankungen einhergehen können als Depressionen (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0689a

PD Dr. med. Arnim Quante

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik, Berlin

a.quante@fvbk.de

1.
Schneider F, Erhart M, Hewer W, Loeffler LAK, Jacobi F: Mortality and medical comorbidity in the severely mentally ill—a German registry study. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 405–11 VOLLTEXT
2.
Tiihonen J, Taipale H, Mehtälä J, Vattulainen P, Correll CU, Tanskanen A: Association of antipsychotic polypharmacy vs monotherapy with psychiatric rehospitalization among adults with schizophrenia. JAMA Psychiatry 2019; [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Kim SW, Park WY, Jhon M, et al.: Physical health literacy and health-related behaviors in patients with psychosis. Clin Psychopharmacol Neurosci 2019; 17: 279–87 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Roest AM, Zuidersma M, de Jonge P: Myocardial infarction and generalised anxiety disorder: 10-year follow-up. Br J Psychiatry 2012; 200: 324–9 CrossRef MEDLINE
1.Schneider F, Erhart M, Hewer W, Loeffler LAK, Jacobi F: Mortality and medical comorbidity in the severely mentally ill—a German registry study. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 405–11 VOLLTEXT
2.Tiihonen J, Taipale H, Mehtälä J, Vattulainen P, Correll CU, Tanskanen A: Association of antipsychotic polypharmacy vs monotherapy with psychiatric rehospitalization among adults with schizophrenia. JAMA Psychiatry 2019; [Epub ahead of print] CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Kim SW, Park WY, Jhon M, et al.: Physical health literacy and health-related behaviors in patients with psychosis. Clin Psychopharmacol Neurosci 2019; 17: 279–87 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Roest AM, Zuidersma M, de Jonge P: Myocardial infarction and generalised anxiety disorder: 10-year follow-up. Br J Psychiatry 2012; 200: 324–9 CrossRef MEDLINE

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