ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2019Geflüchtete: Jeder zweite ist nach der Ankunft psychisch belastet

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Geflüchtete: Jeder zweite ist nach der Ankunft psychisch belastet

PP 18, Ausgabe Oktober 2019, Seite 436

KNA; Bühring, Petra

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Bei der Ankunft in Deutschland sollten psychisch kranke Geflüchtete professionelle Hilfe erhalten. Foto: picture alliance/dpa
Bei der Ankunft in Deutschland sollten psychisch kranke Geflüchtete professionelle Hilfe erhalten. Foto: picture alliance/dpa

Rund die Hälfte der Flüchtlinge zeigt kurz nach Ankunft in Deutschland deutliche Zeichen einer psychischen Störung oder Belastung. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universitätsmedizin Leipzig, die heute vorgestellt wurde (https://doi.org/10.1017/S2045796019000325). Die Autoren fordern eine professionelle Behandlung der Betroffenen sowie psychosoziale Beratungsangebote vor Ort.

Wissenschaftler um Prof. Dr. Heide Glaesmer und Dr. Yuriy Nesterko von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie führten die Studie in einer Leipziger Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende von Mai 2017 bis Juni 2018 durch. Insgesamt nahmen 569 erwachsene Geflüchtete aus mehr als dreißig Ländern teil. Ein Drittel der Befragten leidet demnach unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung, ein Drittel berichtete von psychosomatischen Symptomen wie Herzrasen und Angstzuständen. Viele Betroffene wiesen der Studie zufolge außerdem Symptome einer Depression auf und litten unter mehr als einer psychischen Störung.

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Durch die traumatischen Erfahrungen und die psychischen Störungen sei die Leistungsfähigkeit der Betroffenen oft in wichtigen Lebensbereichen eingeschränkt und das Risiko für die Entwicklung weiterer psychischer Erkrankungen beziehungsweise deren Chronifizierung steige stark an, erklären die Autoren. Die Studienergebnisse wiesen auf die Dringlichkeit einer professionellen Behandlung der Betroffenen hin. Zudem seien psychosoziale Entlastungs- und Beratungsangebote vor Ort vonnöten.

„Entscheidend ist, dass ohne eine zeitnahe und bedarfsorientierte Versorgung die Gefahr einer stetigen Verschlechterung der psychischen Gesundheit als sehr hoch einzustufen ist“, sagen Glaesmer und Nesterko. kna,pb

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