ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2019Psychoanalyse: Abstraktionistischer Beitrag
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... Ich nahm an, über die brisante Thematik der Genderproblematik (hier vereinfacht so bezeichnet) angesichts der kaum noch übersehbaren Vielfalt an Diskussionsforen und Themen einen sicher angestrebten Überblick oder Einblick zu bekommen. Dies war allerdings in vielen Abschnitten des Beitrages (nicht in allen!) leider absolut nicht der Fall: Ich weiß wirklich nicht, ob die im Beitrag zu Wort gekommenen psychoanalytischen Referentinnen und Referenten teilweise aus einer weitgehend anderen, für mich auch nach fünf Jahrzehnten klinischer Tätigkeit als Psychotherapeut weltfremden (wissenschaftlichen?) Lebenswirklichkeit kommen und der Bericht partiell das widerspiegelt, was in London dort auch teils diskutiert wurde. Der Bericht ist jedenfalls an einigen Stellen derart „abstraktionistisch“, mit kognitiv nur noch schwer fassbaren begrifflichen Wort-Neuschöpfungen vollgepackt, dass ich mich zunehmend fragte, ob die beiden Autorinnen ihren geschriebenen Text selbst noch inhaltlich verstehen. Wohlgemerkt, dies trifft nicht für den ganzen Beitrag, aber weite Teile desselben zu. (...) Ich bin in meinem Fachverständnis bisher immer davon ausgegangen, dass wissenschaftliche Arbeit – gleich ob primär theoretisch und/oder klinisch-praktisch, empirisch ausgerichtet – einen realen Erkenntnisgewinn besitzt und auch mögliche Entwicklungswege aufzeigen sollte. Dem vorliegenden Bericht kann ich dies über weite Strecken wirklich nicht abgewinnen und frage mich auch, ob eine solche Fülle an auftretenden, m. E. bizarr-abstrakt anmutenden begrifflichen Neuschöpfungen für eine sinnvolle Kommunikation notwendig ist oder aber die Inhalte der vortragenden psychoanalytischen Referenten selbst die Ursache dieses Gesamteindruckes sind. Wenn Letzteres zuträfe, dann wäre dies sicher keine geeignete Situation, um psychoanalytisches (aktuelles?) Gedankengut erkenntniswirksam zu kommunizieren.

Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Wolfram Zimmerman,
16321 Bernau bei Berlin

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