ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2019Kinder mit ADHS: Unterschiedliche elterliche Wahrnehmung

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Kinder mit ADHS: Unterschiedliche elterliche Wahrnehmung

PP 18, Ausgabe Oktober 2019, Seite 472

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Eltern nehmen die Symptome von ADHS bei ihren Kindern unterschiedlich wahr. Während einige Eltern zum Beispiel viele und ausgeprägte Symptome entdecken, empfinden andere Eltern entsprechende Verhaltensauffälligkeit bei ihren Kindern als weniger gravierend. Diese Beobachtung machte ein internationales Psychologenteam anhand von Berichten US-amerikanischer Eltern zu ADHS-Symptomen bei ihren Kindern. Die Forscher interessierte daraufhin, ob sich solche Unterschiede auch zwischen Eltern unterschiedlicher Nationen zeigen. Dafür werteten sie die Berichte von 974 US-amerikanischen, australischen, schwedischen und norwegischen Eltern zu ADHS-Symptomen bei ihren Kindern aus, als Letztere im Vorschulalter und später in der zweiten Klasse waren.

Die Auswertungen ergaben, dass bei Jungen zu beiden Messzeitpunkten eher ADHS-Symptome von den Eltern berichtet wurden als bei Mädchen. Darüber hinaus nahmen die Eltern in den USA und in Australien mehr und stärkere ADHS-Symptome bei ihren Kindern wahr als die Eltern in Schweden und Norwegen. Nach Meinung der Autoren war die Wahrnehmung der skandinavischen Eltern genauer als die der amerikanischen und australischen Eltern. Letztere neigten hingegen dazu, bestimmte Verhaltensweisen überzubewerten und als krankhaft anzusehen. „Es ist möglich, dass aus diesem Grund bei Kindern in den USA und in Australien zu häufig ADHS diagnostiziert wird“, schreiben sie und betonen, wie wichtig es sei, bei der Anamnese kulturelle Einflüsse auf die Wahrnehmung von Eltern zu berücksichtigen. ms

MacDonald B, Pennington BF, Willcutt EG, Dmitrieva J, Samuelsson S, Byrne B, Olson RK: Cross-country differences in parental reporting of symptoms of ADHD. Journal of Cross-Cultural Psychology 2019; 50 (6) 806–24.

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