ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2019Psychotherapeuten: Ein Weg zu mehr Selbstannahme

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Psychotherapeuten: Ein Weg zu mehr Selbstannahme

PP 18, Ausgabe Oktober 2019, Seite 473

Grigelat, Angela

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Dass Psychotherapeuten nicht unbedingt weniger Lebenskonflikte und Symptome erleben als Patienten, ist sowohl Fakt wie Stoff zahlloser Psychotherapeuten-Witze. Und auch davor, in ihrem Handeln von überkritischen Selbstanteilen behindert zu werden, sind Psychotherapeuten nicht besser gefeit als andere Menschen – im Gegenteil: Studien belegen, dass die therapeutisch tätigen Psychologen und Ärzte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen besonders leistungsorientierte und narzisstisch anspruchsvolle Persönlichkeitsaspekte aufweisen. Damit Zweifel und Selbstabwertung das therapeutische Handeln und die Selbstfürsorge möglichst wenig beeinträchtigen, ermuntert der Duisburger Psychologe und Verhaltenstherapeut Boris Pigorsch seine Kollegen, ihre inneren Kritikaster gut kennenzulernen, ein gutes Auskommen mit diesen antreibenden Selbstanteilen zu finden und wohlwollende innere Begleiter zu kultivieren. Seine 2018 erschienene, rein verhaltenstherapeutisch orientierte Publikation stellt eine Kompilation von Grundlagenwissen zur (verhaltens)therapeutischen Beziehung, zur Ego-State-Therapie sowie zu den achtsamkeitsbasierten und den Methoden der Selbsthypnose dar. Roter Faden ist die von anderen Autoren (beispielsweise Jochen Peichl) bereits vielfach ausgearbeitete Grundannahme, dass kritische Selbstanteile erst in ihrer Funktion für den Erhalt seelischer Stabilität verstanden und gewürdigt werden müssen, bevor sie abgemildert oder besser integriert werden können.

Der vorliegende Ratgeber für Psychotherapeuten konzentriert sich beim Thema Selbstfürsorge auf die Arbeitssituation und Perspektive des klinisch Tätigen, ohne dabei die Dynamik zwischen Behandler und Behandelndem näher ins Auge zu fassen: Welche Psychopathologien und Behandlungskonstellationen welche Anteile im Therapeuten triggern und wie diese Erfahrungen eventuell in den therapeutischen Prozess geholt werden können, wird nicht abgehandelt.

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Dafür gibt der Autor dem Leser auf dem Weg zu mehr Selbstannahme eine Fülle an Arbeitsmaterialien sowie Beispiele und Zitate mit. In den zahlreichen O-Tönen dürften sich vor allem jüngere Kollegen gut wiederfinden, denen die Lektüre des sehr alltagsnahen Praxishandbuchs sicher Aha-Erlebnisse bescheren wird. Bei erfahrenen Therapeuten mit umfassender Selbsterfahrung und möglicherweise Vorkenntnissen im Bereich Teiletherapie rennt dieser Text zu viel offene Türen ein. Angela Grigelat

Pigorsch Boris: Der innere Kritiker von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Selbstabwertung und übertriebene Zweifel entmachten. Beltz Verlag, Weinheim/Basel 2019, 243 Seiten, mit E-Book inside und Arbeitsmaterial, gebunden, 36,95 Euro

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