ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2019Hakomi-Methode: Angeleitete körperzentrierte Selbstreflexion

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Hakomi-Methode: Angeleitete körperzentrierte Selbstreflexion

PP 18, Ausgabe Oktober 2019, Seite 476

Koch, Joachim

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Hakomi ist eine Psychotherapiemethode, die von Ronald Kurtz entwickelt worden ist. Das grundlegende Vorgehen ist, dass der Therapeut in einem Bewusstseinszustand der Loving Presence (das ist ein tiefes inneres Wohlgefühl und eine positive
Gestimmtheit) dem Klienten, wenn der sich in einer Phase der Achtsamkeit befindet, einen Satz sagt und ihn bittet, sich auf den Satz einzulassen und seine Reaktionen (besonders auch die körperlichen) mitzuteilen. Ein Satz wie „Ich bin hier, um Ihnen zuzuhören“, löst in dem Klienten, wenn gut ausgewählt, Emotionen aus, die mit Kernanschauungen zusammenhängen und die ihn zu anderen Erfahrungen anregen und es vielleicht ermöglichen, anderes Verhalten zu zeigen. Diese angeleitete körperzentrierte Selbstreflexion arbeitet mit der – in diesem Beispiel – Kernanschauung „Niemand hört mir zu“ an dem Problem, dass der Klient andere Personen wegstößt.

Der Therapeut achtet auf verschiedene Aspekte der Körpersprache – Stimme, Mimik, Atemmuster, Sprachrhythmen, Handbewegungen, Ticks oder Schlüsselwörter und kommt dadurch auf die Spur von Kernmaterial. Das Konzept der Kernüberzeugungen kann mit dem Schema-Begriff in der kognitiven Verhaltenstherapie verglichen werden. Allerdings verzichtet der Hakomi-Ansatz konsequent auf Zielsetzungen mit der Begründung, dass Achtsamkeit eine akzeptierende Haltung erfordert: Wenn der Fokus darauf gerichtet würde, was geändert werden soll, wird das ruhige und neugierige Beobachten dessen, was innerlich vor sich geht, verhindert.

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Schön anschaulich und übersichtlich wird die Hakomi-Therapie in diesem Buch in vier Sektionen mit 25 Kapiteln dargelegt. In der ersten Sektion wird ein Überblick gegeben, der mittlerweile verstorbene Ron Kurtz führt in Kernelemente der von ihm entwickelten Methode ein. In den weiteren Sektionen werden wichtige theoretische Aspekte ausführlich dargelegt und therapeutische Strategien und Interventionstechniken behandelt.

Viele schöne illustrierende Fallbeschreibungen lassen die Therapie lebendig werden.

In einem Kapitel werden Interventionen mit Charakterstilen in Beziehung gesetzt. Die Charaktertheorie (mit acht Orientierungen) hilft Entwicklungsbedürfnisse und fehlende Erfahrungen identifizieren zu können. Wenn der Therapeut weiß, welche Charakterelemente sich aus welchen Entwicklungsdefiziten entwickeln, kann er die spezifischen Kernbedürfnisse effizienter bearbeiten. Ein eigener Abschnitt beschäftigt sich mit dem Thema Achtsamkeit und Trauma.

Im letzten Buchkapitel geht es um die Grenzen und Chancen der Hakomi-Methode, es werden Indikationen und Kontraindikationen bei schweren klinischen Störungsbildern aufgezeigt. Joachim Koch

Halko Weiss, Greg Johanson, Lorenda Monda (Hrsg.): Hakomi – Achtsamkeitszentrierte Körperpsychotherapie. Theorie und Praxis. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2019. 389 Seiten, kartoniert, 69,00 Euro

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