ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2019Sport als Prävention: Unzureichend eingesetzt
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Die Beziehung der Intensität der körperlichen Aktivität zur Risikoabnahme ist in vielen Studien als nicht linear beschrieben. Dies ergibt für die Prävention einen entscheidenden Vorteil: Bereits moderates Training ist sehr wirksam, eine Steigerung über die 150 min/Woche hinaus ist aus der Sicht der Prävention nicht erforderlich. Ein Trainingsumfang auf zum Beispiel 300 min/Woche ist für Berufstätige kaum zu schaffen, für Ältere über 65 Jahre ebenfalls nur selten möglich und auch nicht nötig, ein solcher Umfang könnte eher
abschreckend wirken.

Die Empfehlungen mit der entsprechenden Evidenz sind für zahlreiche Krankheitsbilder sowohl zur Prävention als auch zur Therapie nachgewiesen. Eine Behandlung eines Diabetespatienten ohne körperliche Aktivität als erster Schritt gilt heute als Behandlungsfehler. Daneben bestehen aber eine Reihe von erheblichen Defiziten: Die Ausbildung der Medizinstudenten enthält Sportmedizin als Pflichtfach nicht, die Inhalte der Facharztweiterbildungen (zum Beispiel Innere, Kardiologie u. a.) enthalten keine Inhalte zur körperlichen Aktivität.

Dies führt zu weiteren erheblichen Defiziten: Fast alle Kliniken entlassen Patienten mit zahlreichen Medikamenten, jedoch ohne Hinweise auf körperliche Aktivität als wirksame und tablettensparende Therapie. Dies beruht nicht zuletzt auf dem Nichtwissen der betreuenden Ärzte.

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Im Hinblick auf die körperliche Aktivität umfasst die Motivation des Patienten drei Schritte:

- Jeder Arzt gleich welcher Fachdisziplin sollte bei jedem Patientenkontakt, stationär oder ambulant, nach der regelmäßigen körperlichen Aktivität fragen (5. vitales Zeichen),

- auch kurze Hinweise auf die körperliche Aktivität im Patientengespräch sind motivierend wirksam,

- besonders aber wirkt das auf europäischer Ebene eingeführte Rezept für Bewegung nachhaltig auf die Einhaltung regelmäßiger Bewegung.

Leider werden diese wichtigen Schritte vonseiten der Ärzte in Kliniken und im niedergelassenen Bereich sehr unzureichend eingesetzt. Mit diesen Empfehlungen könnte bei vielen Patienten auf Medikamente verzichtet oder die Dosis reduziert werden.

Prof. Dr. med. Herbert Löllgen, 42897 Remscheid

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