ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2019Immuntherapien bei Brust- und Lungenkrebs: Kombinieren als Erfolgsrezept

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Immuntherapien bei Brust- und Lungenkrebs: Kombinieren als Erfolgsrezept

Dtsch Arztebl 2019; 116(41): A-1843

Lenzen-Schulte, Martina

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Bei zwei Malignomen mit ungünstiger Prognose bahnen sich neue Behandlungsoptionen an. Sowohl beim metastasierten tripel-negativen Mammakarzinom als auch beim fortgeschrittenen kleinzelligen Bronchialkarzinom gelang es, die Chancen auf ein verlängertes Überleben zu verbessern.

Der PD-L1-Inhibitor Atezolizumab (Tecentriq®, Roche) hatte im März 2019 von der amerikanischen FDA in Kombination mit Nab-Paclitaxel zur Therapie des nichtresezierbaren, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten tripel-negativen Mammakarzinoms (mTNBC) die beschleunigte Zulassung erhalten. Dies gilt für Tumore, bei denen sich tumorinfiltrierende Immunzellen mit PD-L1-Expression auf ≥ 1 % der Tumorfläche finden. Zum neuen Erstlinienstandard wurde Atezolizumab auch beim kleinzelligen Bronchialkarzinom (SCLC). Jetzt zog die europäische Behörde EMA nach. Für beide Indikationen ist damit erstmals ein Immuntherapeutikum in Kombination mit einer Chemotherapie für die Erstlinientherapie zugelassen.

Im Falle der Metastasierung eines Mammakarzinoms ist im Vergleich zu HER2+ Brustkrebs-Patientinnen bei tripel-negativem Status die Lebenserwartung deutlich verringert (60 % bei mTNBC versus 84 % bei HER2+). Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie am Universitätsklinikum Heidelberg, äußerte auf einer Veranstaltung des Herstellers Roche Pharma AG die Hoffnung, dass die Zulassung für diese Patientinnen eine Aufbruchstimmung rechtfertige.

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7 Monate länger leben

Die Daten der IMpassion130-Studie zeigten einen Vorteil im progressionsfreien Überleben von 7,5 versus 5 Monaten (Hazard Ratio [HR] 0,62), wenn in der Erstlinie Atezolizumab zusätzlich zum Standard nab-Paclitacel verabreicht worden war (1). Das bedeutete einen Vorteil im Gesamtüberleben von 25 versus 18 Monaten (HR 0,71). Dies gilt allerdings nur für jene Patienten, die auf einem Teil der tumorinfiltrierenden Immunzellen den Checkpoint PD-L1 exprimieren. An diesen Zellen soll durch den Checkpoint-Inhibitor das vom Tumor an der entscheidenden Schaltstelle gestörte Immungedächtnis wiederhergestellt werden.

15 % der Mammakarzinome sind tripel-negativ. Von diesen können bisher rund vier Fünftel geheilt werden. 20 % der Patientinnen entwickeln jedoch Metastasen. Die mittlere Überlebenszeit beträgt dann etwa 1,5 Jahre und könnte jetzt den Studiendaten zufolge um Monate verlängert werden. Aber nur 40 % der Betroffenen weisen tumorinfiltrierende Immunzellen mit PD-L1Expression auf. „Somit könnten etwa 1 000 Patientinnen pro Jahr von der neuen Therapie profitieren“, so Schneeweiss.

Erkauft wird dies mit häufigen Nebenwirkungen. Die seien jedoch in der Regel beherrschbar, wenn man sie früh konsequent behandele, wie Schneeweis betonte. In Heidelberg würde jedes einschlägige Symptom konsequent daraufhin untersucht, ob es sich um klinisch relevante AESI (Adverse Events of Special Interest) handele. In bis zu 58 % der Fälle geht es dabei um Autoimmunphänomene, die in bis zu 8 % schwerwiegend verlaufen können. Es sind vorwiegend Hautausschläge, Funktionsstörungen der Schilddrüse (eher Hypo- als Hyperthyreosen), Leber- und Lungenentzündungen sowie Kolitiden. Patienten mit Autoimmunerkrankungen kämen daher für eine solche Therapie nicht infrage, so Schneeweiss.

Für das sehr aggressive kleinzellige Bronchialkarzinom – es macht 10 bis 15 % aller Lungenkarzinome aus – weist die IMpower133-Studie für Patienten im fortgeschrittenen beziehungsweise im extensiven Stadium ebenfalls leichte Fortschritte nach (2).

Fortschritt bei Lungenkrebs

Hier erbringt der Zusatz von Atezolizumab zusätzlich zur Chemotherapie mit Carboplatin und Etoposid in der Erstlinie einen geringen, aber signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) von median 5,2 versus 4,3 Monaten unter alleiniger Chemotherapie.

Für das Gesamtüberleben bedeutete dies einen Gewinn von 2 Monaten (median 12,3 versus 10,3 Monate [HR 0,70]. Jüngere Patienten (< 65 Jahren) und jene mit Hirnmetastasen scheinen jedoch nicht von dem Checkpoint-Inhibitor zu profitieren. PD Dr. med. Niels Reinmuth, Leitender Arzt Thorakale Onkologie an den Asklepios Kliniken in München Gauting, betonte auf der Veranstaltung von Roche, dass die Versuche, die Prognose von Patienten mit fortgeschrittenem SCLC zu verbessern, in den letzten Jahrzehnten alle gescheitert seien. Umso höher wollte er daher diese Ergebnisse bewertet sehen.

Anders als beim mTNBC hat sich beim SCLC die Expression des Biomarkers PD-L1 nicht als diskriminierend für den Therapieerfolg erwiesen. Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Pressegespräch „Zulassungserweiterung für Tecentriq®. Neue Persepektiven für Patienten mit SCLC und TNBC“, Frankfurt 23. August 2019; Veranstalter: Roche Pharma AG:

1.
Schmid P, et al.: Atezolizumab and Nab-Paclitaxel in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Eng J Med 2018; 379 (22): 2108–21 CrossRef MEDLINE
2.
Horn L, et al.: First-Line Atezolizumab plus Chemotherapy in Extensive-Stage Small-Cell Lung Cancer. NEJM 2018;379 (23): 2220–9 CrossRef MEDLINE
1.Schmid P, et al.: Atezolizumab and Nab-Paclitaxel in Advanced Triple-Negative Breast Cancer. N Eng J Med 2018; 379 (22): 2108–21 CrossRef MEDLINE
2.Horn L, et al.: First-Line Atezolizumab plus Chemotherapy in Extensive-Stage Small-Cell Lung Cancer. NEJM 2018;379 (23): 2220–9 CrossRef MEDLINE

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am Freitag, 11. Oktober 2019, 12:19

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollten die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1250)
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am Freitag, 11. Oktober 2019, 12:18

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollten die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1250)
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am Freitag, 11. Oktober 2019, 12:05

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollten die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25): A-1250)
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am Freitag, 11. Oktober 2019, 11:44

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollte die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25), A-1250)
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am Freitag, 11. Oktober 2019, 11:22

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollte die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25), A-1250)
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Prof Naujokat
am Freitag, 11. Oktober 2019, 11:03

PD-1, nicht PD-L1, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel:
PD-1, ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie, wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (zumeist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert, nicht PD-L1.
PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (nicht immer) und fungiert als Ligand für PD-1 auf den Immunzellen, die bei dieser Ligation in ihrer Aktivierung gehemmt werden (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70).
Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollte die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und zusätzlich die Expression von PD-1 auf den Immunzellen quantifiziert werden.
(siehe auch: Dtsch Arztebl 2017; 114(25), A-1250)
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Prof Naujokat
am Freitag, 11. Oktober 2019, 10:39

PD-1, nicht PD-L1 wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimiert

Ein Fehler im gesamten Artikel: PD-L1 wird auf den Tumorzellen exprimiert (sehr oft aber nicht).
PD-1 ist ein Rezeptor der Immunglobulin-Superfamilie und wird auf tumorinfiltrierenden Immunzellen (meist CD8+ T-Lymphozyten) exprimiert. Wird PD-1 (auf den Immunzellen) von PD-L1 (auf den Tumorzellen) ligiert, wird die Aktivierung der Immunzellen gehemmt (z. B. durch Inhibition der Phosphorylierung von ZAP70). Vor Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren sollte immer die Expression von PD-L1 auf den Tumorzellen und möglichst die Expression von PD-1 auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen quantifiziert werden.

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