ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2019Medizinstudium: Studienreform – quo vadis?
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Wohin führt die Weichenstellung der Reform des Medizinstudiums (Masterplan 2020)? Aus Sicht eines Lehrenden der Vorklinik (Physiologie, Regelstudiengang) sind viele Punkte offen. Die derzeitigen Themen- und Lernzielkataloge sind inkohärent. Der NKLM (Nationaler kompetenzbasierter Lernzielkatalog Medizin) nennt sehr allgemein gefasste Lernziele, z. B. zum Thema Reflex: „Sie erklären wesentliche Strukturen und Prozesse für Reflexe. Sie können die spinale und supraspinale Verschaltung von Eigen- und Fremdreflexen beschreiben …“ Der IMPP-Gegenstandskatalog (GK, letzte Auflage 2014) enthält hingegen detaillierte Listen von Stichworten (z. B. Muskelspindelafferenzen, reziproke Ia-Hemmung etc.). Gängige Online-Lernplattformen (z. B. AMBOSS) setzen nochmals andere Schwerpunkte. Dieser Wirrwarr nützt wenig bei der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen.

In „vertikal integrierten Curricula sollen künftig theoretische Grundlageninhalte konsequent mit klinischen Inhalten verknüpft und frühzeitig klinisch-praktische Fertigkeiten mit Patientenkontakt vermittelt werden“, so die Empfehlungen der Expertenkommission Wissenschaftsrat zum Masterplan Medizinstudium 2020 (1). Didaktisch sinnvolle fächerübergreifende Lehrveranstaltungen im Sinne der „vertikalen Integration“ nachhaltig zu koordinieren, wird aufwendig. Unklar ist dabei, in welchem Umfang die Seminare und Praktika der vorklinischen Fächer (z. B. anatomische Präparier- und Mikroskopierkurse) des bisherigen Regelstudiengangs erhalten bleiben. Und wie weit kann digitales Lernen (E-Learning) Präsenzveranstaltungen ersetzen? Konsequent hat eine private Onlinehochschule auf Malta diesen Weg verfolgt, indem sie ein digitales Medizinstudium anbietet; die Anerkennung des Abschlusses ist noch offen (2). Fragwürdig ist, ob die Demonstration virtueller Lehrbeispiele am Bildschirm die in Kursen vermittelte praktisch-sinnliche Erfahrung ersetzen kann.

Die Empfehlungen der Expertenkommission enthalten Übersichtsmodelle des Studienverlaufes (z. B. „wissenschaftliche Kompetenzen longitudinal“ vom 1. bis 5. Studienjahr), ein Mustercurriculum mit semesterweisen Stundenplänen unter Nennung der Fächer als Orientierungshilfe fehlt jedoch. Es wird wohl jede Fakultät eine eigene Lösung suchen, was die standortübergreifende Vergleichbarkeit der Studiengänge (und damit Ortswechsel im Studium) erschweren wird.

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Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Johann P. Kuhtz-Buschbeck, 24118 Kiel

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