ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2019Begrifflichkeiten besser erklären
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Im Jahre 2013 erschien die erste Version der S3-Leitlinie „Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden“ (1).

In der aktualisierten Version (2) wird zunächst der Begriff „funktionelle Körperbeschwerden“ in drei Bereichen beschrieben. Dabei bleiben die Autoren es schuldig, den in verschiedener Weise verwendeten Begriff „Funktion“/„funktionell“ zu erklären. In der ersten Version der Leitlinie heißt es in etwa (auf Seite 21/22): „Der Begriff funktionell deutet an, dass hier überwiegend die Funktion, nicht die Struktur, des (aufgrund der Beschwerden betroffenen) Organsystems […] gestört ist.“

Diese Definition ist aus unserer Sicht ergänzungsbedürftig. Bei Störungen des Bewegungssystems wird ebenfalls der Begriff der Funktion verwendet. Neben der Psyche und dem Soma ist als dritter Pol die Funktionskette zu nennen (bei Beschwerden im M. quadriceps sollte auch der M. iliopsoas und M. erector spinae am Rücken untersucht werden). Dies führt zu der Erkenntnis, dass Beschwerden an ganz anderen Stellen des Körpers ihre Ursache haben können als an der geklagten Stelle. Die klinische Medizin tut sich dabei sehr schwer. Dazu passend wäre dann die Empfehlung zur Manualtherapie gewesen (3).

Die Nichtbeachtung tonisierter Muskeln für die Einordnung des Beschwerdebildes lässt sich mit der Bezeichnung als „psychisch“ oder eben als „funktionell“ nicht kompensieren.

Die eigentliche Bedeutung der Leitlinie ist, dass Beschwerden, die somatisch vorgebracht werden und nicht durch somatische Maßnahmen zu behandeln sind, noch einmal von vorne aus dem psychischen Blickwinkel betrachtet werden sollten.

Wichtig sind auch die hier dargestellten Herangehensweisen bei unklaren Beschwerden (siehe vor allem Kasten 2 und Kernaussagen in [1]).

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0720a

Dr. med. Michael Brinkers

Schmerzambulanz der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.

michael.brinkers@med.ovgu.de

Interessenkonflikt
Dr. Brinkers ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Funktionskrankheiten“ der Ärztevereinigung für Manuelle Medizin e. V.

1.
Hausteiner-Wiehle C, et al.: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. S3-Leitlinie. Stuttgart: Schattauer 2013.
2.
Roenneberg C, Sattel H, Schaefert R, Henningsen P, Hausteiner-Wiehle C: Clinical practice guideline: Functional somatic symptoms. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 553–60 VOLLTEXT
3.
Henningsen P, et al.: Management of functional somatic syndromes and bodily distress. Psychother Psychosom 2018; 87: 12–31 CrossRef MEDLINE
1.Hausteiner-Wiehle C, et al.: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. S3-Leitlinie. Stuttgart: Schattauer 2013.
2.Roenneberg C, Sattel H, Schaefert R, Henningsen P, Hausteiner-Wiehle C: Clinical practice guideline: Functional somatic symptoms. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 553–60 VOLLTEXT
3.Henningsen P, et al.: Management of functional somatic syndromes and bodily distress. Psychother Psychosom 2018; 87: 12–31 CrossRef MEDLINE

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