ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2019Ergänzende klinische Aspekte
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Der cme-Beitrag zur Toxoplasmose in Deutschland (1) unterrichtet über Klinik und Folgen der Infektion mit Toxoplasma gondii. Unerwähnt bleiben jedoch wichtige klinische Folgen einer chronisch latenten Infektion, insbesondere die mögliche Manifestation von neuropsychischen Störungen. In zahlreichen epidemiologischen Studien konnte eine Assoziation zwischen positivem T.-gondii-Serostatus und psychischen Erkrankungen nachgewiesen werden (2).

Einen zusätzlichen Hinweis für eine kausale Beziehung zwischen der chronisch latenten Infektion mit T. gondii und dem Auftreten einer Schizophrenie gibt nun eine kürzlich publizierte Untersuchung aus Dänemark (3). Im Rahmen einer über 80 000 Teilnehmer umfassenden dänischen Blutspenderkohorte (Danish Blood Donor Study) wurde auch eine eingebettete Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Die Auswertung mit ausschließlich inzidenten Erkrankungsfällen berücksichtigte die zeitliche Abfolge von Infektionsstatus und Erkrankung und ergab ein statistisch signifikant erhöhtes Inzidenzratenverhältnis von 2,78 (95-%-Konfidenzintervall: [1,27; 6,09]).

Dieses Ergebnis ist konsistent mit früheren Studien sowie mit bereits bekannten neurobiologischen Mechanismen (2, 4). Untersuchungen von Säugetieren haben gezeigt, dass eine chronische Infektion mit T. gondii die Regulation von Neurotransmittern und hier insbesondere den Dopaminstoffwechsel beeinflusst (4). Beim Menschen als Wirtsorganismus könnten diese Veränderungen zur erhöhten Inzidenz von psychischen Störungen bei chronisch Infizierten beitragen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0718a

Dr. med. Johannes Seydel

Hannover

seydel12@mailbox.org

1.
Pleyer U, Gross U, Schlüter D, Wilking H, Seeber F: Toxoplasmosis in Germany—epidemiology, diagnosis, risk factors, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 435–44. VOLLTEXT
2.
Sutterland AL, Fond G, Kuin A, et al.: Beyond the association. Toxoplasma gondii in schizophrenia, bipolar disorder, and addiction: systematic review and meta-analysis. Acta Psychiatr Scand 2015; 132: 161–79 CrossRef MEDLINE
3.
Burgdorf KS, Trabjerg BB, Pedersen MG, et al.: Large-scale study of toxoplasma and cytomegalovirus shows an association between infection and serious psychiatric disorders. Brain Behav Immun 2019; 79: 152–8 CrossRef MEDLINE
4.
McConkey GA, Martin HL, Bristow GC, Webster JP: Toxoplasma gondii infection and behaviour—location, location, location? J Exp Biol 2013; 216: 113–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Pleyer U, Gross U, Schlüter D, Wilking H, Seeber F: Toxoplasmosis in Germany—epidemiology, diagnosis, risk factors, and treatment. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 435–44. VOLLTEXT
2.Sutterland AL, Fond G, Kuin A, et al.: Beyond the association. Toxoplasma gondii in schizophrenia, bipolar disorder, and addiction: systematic review and meta-analysis. Acta Psychiatr Scand 2015; 132: 161–79 CrossRef MEDLINE
3.Burgdorf KS, Trabjerg BB, Pedersen MG, et al.: Large-scale study of toxoplasma and cytomegalovirus shows an association between infection and serious psychiatric disorders. Brain Behav Immun 2019; 79: 152–8 CrossRef MEDLINE
4.McConkey GA, Martin HL, Bristow GC, Webster JP: Toxoplasma gondii infection and behaviour—location, location, location? J Exp Biol 2013; 216: 113–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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