ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2000Die endoluminale Therapie der Karotisstenose: Wirksamkeit nicht nachgewiesen

MEDIZIN: Diskussion

Die endoluminale Therapie der Karotisstenose: Wirksamkeit nicht nachgewiesen

Dtsch Arztebl 2000; 97(5): A-257 / B-217 / C-186

Mumme, Achim

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Klaus Mathias Dr. med. Horst Jäger Dr. med. Harald Sahl Dr. med. Svenja Hennigs Dr. med. Hans-Martin Gißler in Heft 40/1999
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LNSLNS Erst mit den zu Beginn der 90er Jahre fertig gestellten kontrollierten Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Karotis-TEA tatsächlich zur Prophylaxe des zerebralen Insultes beiträgt. Im Langzeitverlauf traten im operativen Patientenkollektiv signifikant seltener neurologische Defizite auf als in den konservativ behandelten Kontrollgruppen. Mathias und Mitarbeiter postulieren für die interventionelle Behandlung einen der Operation analogen Langzeitverlauf und sehen daher bei ihren Patienten die Berechtigung zum Einsatz der neuen Verfahren.
Ein solches Vorgehen ist methodisch unzulässig. Nach den vorliegenden Erkenntnissen sind Stents mit dem Problem einer mitunter schnell einsetzenden Intimahyperplasie behaftet. Beispielsweise fanden Hüttemann und Mitarbeiter (2) in einem Kollektiv mit 26 Stent-Implantationen drei höhergradige Restenosen und einen Stentverschluss. Die bisherigen Erfahrungen geben somit Anlass zu der Annahme, dass bei der interventionellen Behandlung ein zur Operation unterschiedliches Langzeitergebnis zu erwarten ist. Der für die chirurgische Ausräumung des Verschlussmaterials gesicherte prophylaktische Effekt ist daher keinesfalls auf die interventionelle Behandlung übertragbar. Auch bei Erfüllung der Qualitätsanforderungen der American Heart Association ist ungewiss, ob mit der interventionellen Behandlung selektionierter Patienten die gewünschte Apoplex-Prophylaxe überhaupt erzielt werden kann.
Angesichts fehlender Erkenntnisse über den potenziellen Nutzen der interventionellen Behandlung wurde Anfang 1998 von verschiedenen amerikanischen Fachgesellschaften ein Aufruf veröffentlicht, dass Angioplastien an der Karotis möglichst nur innerhalb von extern kontrollierten Studien vorgenommen werden sollten (1). Nach katastrophalen Ergebnissen in eigenen Kollektiven zweifeln einige Autoren (3, 4) inzwischen sogar an der ethischen Vertretbarkeit derartiger Studien. Mathias und Mitarbeiter führten in ihrem Patientenkollektiv die Behandlungen außerhalb von kontrollierten Studien durch und sollten daher auch auf die Frage eingehen, mit welcher Begründung sie bei ihren 633 Patienten auf die erprobten operativen Verfahren verzichteten.


Literatur
1. Bettmann MA, Katzen BT, Whisnant J et al.: Carotid stenting and angioplasty: A statement for healthcare professionals from the councils on cardiovascular radiology, stroke, cardiovascular surgery, epidemiology and prevention, and clinical cardiology, American heart Association. JVIR 1998; 9: 3-5.
2. Hüttemann M, Mertens H, Schmalz W et al.: Interventionelle Behandlung von Carotisstenosen. Dtsch med Wschr 1997; 122: 1579-1585.
3. Jordan WD, Voellinger DC, Fisher WS et al.: A comparison of carotid angioplasty with stenting versus endarterectomy with regional anesthesia. J Vasc Surg 1998; 28: 397-403.
4. Naylor AR, Bolia A, Abbott RJ et al.: Randomized study of carotid angioplasty and stenting versus carotid endarterectomy: a stopped trial. J Vasc Surg 1998; 28: 326-334.


Priv.-Doz. Dr. med. Achim Mumme
Chirurgische Klinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital
Abteilung für Gefäßchirurgie
Gudrunstraße 56 · 44791 Bochum


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