ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2019Chimärenforschung: Andere Modelle mit Zukunft
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… Nach über 30 Jahren erfolgloser Experimente am „lebenden Modell“ empfinde nicht nur ich es mit den heute … modernen Möglichkeiten als eine sowohl wissenschaftlich-medizinische als auch ethische Schande, dass Forschergeist und -gelder nach wie vor weit überwiegend bis ausschließlich in die veralteten Methoden des Tierversuches investiert werden.

Die Ethik-Stimmen, die sich … zwar durchaus tolerant gegenüber der Chimärenforschung äußern, kritisieren zwei Punkte sehr deutlich: laut des Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Prof. Dr. theol. Peter Dabrock, müsse darauf geachtet werden, die Grenzen zwischen Mensch und Tier aufrechtzuerhalten. Prof. Dr. jur. Jochen Taupitz, Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer, erinnert … an eine acht Jahre alte Stellungnahme, nach der insbesondere „[…] die Versuche der Erzeugung von transgenen Menschenaffen wegen der nahen Verwandtschaft zu Menschen untersagt werden sollten. […]“.

Besonders interessant ist … ein … Zitat über Organbanken von Prof. Dr. Rüdiger Behr, das besagt, dass eine genetische Nähe zur Chimärenerzeugung maßgeblich für den Erfolg sei, der nächste Schritt demzufolge wäre, menschliche Organe in Affen wachsen zu lassen. Vergangene Versuche haben jedoch eine Streuung von Zellen und daraus resultierende, im Einzelfall nicht vorhersehbare, physiologische Effekte im „Wirtstier“ gezeigt, wobei diese Zellwanderung (bisher) nicht verhindert werden kann.

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Die zwei wesentlichen wissenschaftlichen Voraussetzungen für einen Erfolg stehen also den zwei ethischen Hauptargumenten gegenüber – und dazu addieren sich weitere medizinische Hürden sowie die makabre Vorstellung, Tiere als Ersatzteillager zu missbrauchen, die nach „Gebrauch“ einfach entsorgt werden. An dieser Stelle ist es mehr als überfällig, moderne humanrelevante Forschungsmethoden voranzubringen. Hierzu zählen Mini-Organe (– wie z. B. Mini-Brains! –), die aus menschlichen Zellen gezüchtet werden, sowie Multi-Organ-Chips, bei denen derzeit bereits bis zu zehn solcher Mini-Organe auf einem Biochip untergebracht und über einen simulierten Blutkreislauf miteinander verbunden sind. Diese Modelle haben in einem Bruchteil der entsprechenden Zeitspanne und trotz … völlig unzureichender finanzieller Unterstützung … vielversprechendere Fortschritte geliefert als die obskure Chimärenforschung in den letzten Jahrzehnten. Zusammen mit verstärkter klinischer Forschung in der Krankheitsprävention muss dies die medizinische Zukunft sein … .

Dr. med. Wolf-Dieter Hirsch, 04683 Belgershain-Threna

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