ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2019Hydrocephalus: Imprägnierte Katheter vermeiden Infektionen nach Shunt-Operation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hydrocephalus: Imprägnierte Katheter vermeiden Infektionen nach Shunt-Operation

Dtsch Arztebl 2019; 116(42): A-1905 / B-1565 / C-1533

Meyer, Rüdiger

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Foto: Science Photo Library/Living Art Enterprises, LLC
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Ein mit 2 Antibiotika imprägnierter Shunt hat in einer randomisierten Vergleichsstudie das Infektionsrisiko nach einer Hydrocephalus-Operation deutlich reduziert. Die Zahl der Revisionen konnte jedoch nicht gesenkt werden (1).

Ein Hydrocephalus ist der häufigste Anlass für eine neurochirurgische Operation. Die Erweiterung der Liquorräume ist entweder angeboren – etwa 1 von 500 Kindern ist betroffen – oder sie wird durch Blutungen, Traumata, Infektionen oder Tumore ausgelöst. Der Shunt leitet den Liquor in die Bauchhöhle, wo er resorbiert wird. Viele Shunts müssen indes oft wegen Infektionen immer wieder ausgetauscht werden.

Britische Forscher haben jetzt einen mit 2 Antibiotika (0,15 % Clindamycin und 0,054 % Rifampicin) imprägnierten Shunt entwickelt. In der BASICS-Studie (British Antibiotic and Silver Impregnated Catheters for ventriculoperitoneal Shunts) wurde er mit einem mit Silber imprägnierten und einem nichtimprägnierten Shunt verglichen.

An der Studie nahmen an 21 Zentren über 7 Jahre (2012 bis 2019) 1 609 Patienten teil, ein Drittel von ihnen Kinder. Es war die bisher weltweit größte prospektive randomisierte Studie zur Shunt-Implantation bei Patienten mit Hydrozephalus. Primärer Endpunkt war ein Shunt-Versagen aufgrund einer Infektion. Dieses Ereignis trat in den ersten 22 Monaten nach der Implantation in der Standard-Shunt-Gruppe bei 32 von 533 (6 %) auswertbaren Patienten auf gegenüber nur 12 von 535 auswertbaren Patienten in der Antibiotika-Shunt-Gruppe (2 %). Das Ergebnis war signifikant (Hazard Ratio [HR] 0,38; 97,5-%-Konfidenzintervall [KI] 0,18 bis 0,80). Silberimprägnierten Shunts gelang es nicht, das Infektionsrisiko zu senken. Wegen einer Infektion musste der Shunt bei 31 von 526 Patienten (6 %) entfernt werden (HR 0,99; KI 0,56 bis 1,74). Beim silberimprägnierten Shunt traten mehr Komplikationen (36 %) auf als beim Standard- (25 %) und Antibiotika-Shunt (23 %).

Fazit: Die Wechselrate aller Shunts war jedoch ähnlich, etwa jeder Vierte musste innerhalb von median 22 Monaten ausgetauscht werden, was auch an der begrenzten Haltbarkeit der Shunts gelegen haben könnte. Dennoch erspart die Infektionsreduktion dem Patienten eine Menge Leid und den Versicherern Geld. Die Gesamtkosten (für 24 Monate) betrugen 14 192 Pfund für Antibiotika-Shunts, 13 888 Pfund für Silber- und 18 707 Pfund für Standard-Shunts. Rüdiger Meyer

Mallucci CL, et al.: Antibiotic or silver versus standard ventriculoperitoneal shunts (BASICS): a multicentre, single-blinded, randomised trial and economic evaluation. Lancet 2019, 12. September. doi:10.1016/S0140–6736(19)31603–4.

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