ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2019Schlaganfallprognose: MRT nach transitorischer ischämischer Attacke zeigt Risiko auf späteren Hirninfarkt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schlaganfallprognose: MRT nach transitorischer ischämischer Attacke zeigt Risiko auf späteren Hirninfarkt

Dtsch Arztebl 2019; 116(42): A-1905 / B-1565 / C-1533

Meyer, Rüdiger

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Foto: Your Photo Today
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Den wenigsten transitorischen ischämischen Attacken (TIA) liegt tatsächlich eine erkennbare Ischämie zugrunde. Das ergab eine Beobachtungsstudie, die die Magnetresonanztomografie (MRT) zur Befundung nutzte. Fand sich kein Ischämienachweis im MRT, war das Schlaganfallrisiko in den nächsten 12 Monaten nicht erhöht (1).

Eine TIA, auch „Mini“-Schlaganfall genannt, kündigt häufig ein größeres ischämisches Ereignis an, das durch eine präventive Behandlung häufig abgewendet werden kann. Es ist deshalb wichtig, dass die Diagnose der TIA zutrifft und die Patienten tatsächlich einen ersten kleinen Hirninfarkt erlitten haben. Die Diagnose beruht jedoch häufig allein auf den Angaben des Patienten, der sich bei der Untersuchung durch einen Neurologen bereits wieder erholt hat.

In der DOUBT-Studie (Diagnosis of Uncertain-Origin Benign Transient Neurological Symptoms) wurde deshalb bei 1 028 Patienten mit klinischem Verdacht auf eine TIA innerhalb von 8 Tagen eine MRT durchgeführt und nach ischämischen Läsionen gesucht. Wie das Team um Shelagh Coutts von der Universität Calgary berichtet, wurde nur bei 13,5 % (n = 139) ein echter akuter Schlaganfall nachgewiesen. Die wichtigsten Prädiktoren für den Ischämie-Nachweis im MRT waren ein männliches Geschlecht (Odds Ratio [OR] 2,03), motorische Symptome (OR 2,12), anhaltende Symptomatik bis zur ärztlichen Untersuchung (OR 1,97), abnorme Befunde in der neurologischen Erstuntersuchung (OR 1,71) sowie das Fehlen eines identischen Ereignisses in der Vorgeschichte (OR 1,87). Die Prädiktoren waren aber nicht geeignet, MRT-Ergebnisse vorherzusagen. Die Verdachtsdiagnose des Arztes bestätigte sich nur in einem Fünftel der Fälle.

Fazit: Ein Normalbefund im MRT schloss zu 99,8 % einen späteren Schlaganfall aus. Bei einem positiven Befund im MRT war das Risiko um den Faktor 6,4 (95-%-Konfidenzintervall 2,4 bis 16,8) erhöht. Meist waren es Patienten mit 2 oder mehr Läsionen. Nur 2 von 889 Patienten mit einer oder keiner Läsion im MRT erlitten später einen Schlaganfall. Die Autoren raten deshalb den Ärzten zu einem MRT, wenn sie nicht sicher sind, ob ein Patient nach einer TIA tatsächlich eine präventive Behandlung benötigt. Ein negatives Ergebnis könnte überdies für den Patienten eine beruhigende Information sein. Rüdiger Meyer

Coutts SB, al.: Rate and Prognosis of Brain Ischemia in Patients With Lower-Risk Transient or Persistent Minor Neurologic Events. JAMA Neurol. online (last accessed on 23 September 2019). doi:10.1001/jamaneurol.2019.3063.

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