ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019AWMF-Leitlinie auch für die Stillzeit vorhanden
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Ein wichtiger Beitrag – kommt doch das Thema neben der Häufigkeit der Publikationen zum Mammakarzinom oft zu kurz (1).

Verwunderlich, dass zwar die AWMF-S3-Leitlinie bezüglich des Mammakarzinoms erwähnt wird, nicht aber die AWMF-S3-Leitlinie „Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit“ (2), die erstmals eine sehr gute Zusammenfassung über dieses Thema gibt.

Abzugrenzen von der Mastitis puerperalis ist der Milchstau. Meist ist erst im Verlauf erkennbar, dass eine Mastitis vorliegt. Nicht Paracetamol sondern Ibuprofen bis zu 2 400 mg/d ist Mittel der Wahl (3), da es analgetisch und antiphlogistisch wirkt.Lokale Wärme vor dem Anlegen ist nicht immer förderlich und bei der initialen Brustdrüsenschwellung sogar obsolet. Kühlen (kühlschrankkalt) direkt nach dem Anlegen wird ebenso in der Leitlinie (2) empfohlen wie häufiges Stillen. Alternativ ist Abpumpen eine Option, wenn das Stillen für die Mutter zu schmerzhaft ist. Milch kann auch per Hand entleert werden, ein „Ausstreichen“ der Milch ist falsch und kann das Gewebe belasten. Stellt sich unter einer symptomatischen Therapie über 48 h keine Besserung ein, sollte die Antibiose über 10–14 Tage beginnen, wie beschrieben (1). Die Ultraschallkontrolle der Brust gehört zum Diagnosestandard bei Beschwerdepersistenz, um frühzeitig eine Abszedierung zu entdecken und nach heutigem Goldstandard durch Abszesspunktion zu behandeln.

Da die Entleerung der Brust Teil der Therapie ist, ist ein Abstillen (auf Wunsch der Patientin) erst nach Abklingen der Symptome eine Therapieoption. Sekundäres Abstillen durch Prolaktinhemmer bringt keinen Zeitvorteil. Die Nebenwirkungen der Prolaktinhemmer sind zu berücksichtigen, Bromocriptin hat zum Abstillen keine Zulassung mehr.

Die beste Prophylaxe ist ein korrektes Anlegen, Vermeiden von wunden Mamillen und eine evidenzbasierte Wundbehandlung. Stillende sollten sofort adäquate Unterstützung bekommen, nicht immer ist diese durch Hebammen ausreichend gesichert.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0737a

Dr. Gabriele Kußmann, IBCLC

Stuttgart

g.kussmann@kussmann-gyn.de

Gudrun von der Ohe, IBCLC

Hamburg

postfach@stillberatung.info

1.
Stachs A, Stubert J, Reimer T, Hartmann S: Benign breast disease in women. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 565–74 VOLLTEXT
2.
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (AWMF 015/071): S3-Leitlinie Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015–071l_S3_Therapie_entz%C3%BCndlicher_Brustentz%C3%BCndungen_Stillzeit_2__2013–02-abgelaufen.pdf (last accessed on 27 September 2019).
3.
Schaefer C, Spielmann H; Vetter K Weber-Schöndorfer, C: : Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. 8. edition. München: Elsevier 2012.
1.Stachs A, Stubert J, Reimer T, Hartmann S: Benign breast disease in women. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 565–74 VOLLTEXT
2.Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (AWMF 015/071): S3-Leitlinie Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit. www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015–071l_S3_Therapie_entz%C3%BCndlicher_Brustentz%C3%BCndungen_Stillzeit_2__2013–02-abgelaufen.pdf (last accessed on 27 September 2019).
3.Schaefer C, Spielmann H; Vetter K Weber-Schöndorfer, C: : Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. 8. edition. München: Elsevier 2012.

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