ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Bitte Patient beim Augenarzt vorstellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Anders als im Titel genannt, werden nicht nur „benigne“ Erkrankungen abgehandelt – für den Leser ist eine aussagekräftige Überschrift aber hilfreich (1).

Und wenn die Autoren Brusterkrankungen schon umfassender darstellen, dann sollten meines Erachtens auch Erkrankungen der männlichen Brust erörtert werden (zum Beispiel Gynäkomastie, Galaktorrhö etc.).

Ergänzend zu dem Artikel möchte ich aber auf folgenden, dort nicht erwähnten Aspekt, hinweisen:

Wenn von einem Prolaktinom der Hypophyse auszugehen ist, dann wäre es ein Fehler, die Patienten nicht beim Augenarzt vorzustellen (2, 3). Bei Hypophysentumoren ist aufgrund der engen räumlichen Beziehung zwischen der Hypophyse und den Sehnerven eine augenärztliche Diagnostik erforderlich (zitiert aus [4]). Die Bildgebung mithilfe der Magnetresonanztomografie und das Endokrinologenkonsil können per se ein Chiasmasyndrom nicht ausschließen, das nicht selten dabei vorkommt. Von Patienten werden Gesichtsfelddefekte oft erst in fortgeschrittenem Stadium selbst bemerkt, zumal diese gelegentlich einseitig und nur partiell, also nicht als „Scheuklappenausfall“, auftreten können. Aber je früher partielle Gesichtsfeldausfälle entdeckt werden, desto mehr visuelle Funktion kann durch eine rasche und erfolgreiche Therapie erhalten werden. Deshalb sollten Patienten mit Verdacht auf einen Hypophysentumor oder einen der Hypophyse benachbarten Tumor beim Augenarzt vorgestellt werden.

Leider ergab im Laufe meiner Praxistätigkeit bei zwei Patienten eine entsprechende Abklärung aufgrund von inkompletten, bitemporalen (aber selbst nicht bemerkten) Gesichtsfeldausfällen ein bisher nicht bekanntes Prolaktinom – die Perimetrie erfolgte aufgrund einer anderen Fragestellung. Eine Galaktorrhö wird dem Augenarzt gerne aus Scham verschwiegen. Und wenn Verdachtsfälle dem Augenarzt nicht mit gezielter Fragestellung (wie Ausschluss Chiasmasyndrom bei Verdacht auf Hypophysentumor) vorgestellt werden, dann erfolgt dort (mangels Verdacht und schon aus Zeitmangel) in der Regel keine perimetrische Untersuchung der Gesichtsfeld-Außengrenzen.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0737b

Dr. med. Gerald Böhme

Backnang

gerald.boehme@gmx.de

1.
Stachs A, Stubert J, Reimer T, Hartmann S: Benign breast disease in women. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 565–74 VOLLTEXT
2.
Klingmüller D, Saller B, Quabbe HJ: Diagnostik von Hypophysenadenomen. Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3053 VOLLTEXT
3.
Neurochirurgie Unklinik Tübingen: Welche Diagnostik erfolgt bei Verdacht auf einen Hypophysentumor? www.neurochirurgie-tuebingen.de/de/spezialgebiete/hypophysenchirurgie/diagnostik/ (last accessed on 30 September 2019).
4.
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: www.endokrinologie.net/hypophysenadenom.php (last accessed on 30 September 2019).
1.Stachs A, Stubert J, Reimer T, Hartmann S: Benign breast disease in women. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 565–74 VOLLTEXT
2.Klingmüller D, Saller B, Quabbe HJ: Diagnostik von Hypophysenadenomen. Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3053 VOLLTEXT
3.Neurochirurgie Unklinik Tübingen: Welche Diagnostik erfolgt bei Verdacht auf einen Hypophysentumor? www.neurochirurgie-tuebingen.de/de/spezialgebiete/hypophysenchirurgie/diagnostik/ (last accessed on 30 September 2019).
4.Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: www.endokrinologie.net/hypophysenadenom.php (last accessed on 30 September 2019).

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige