ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Strategien entwickeln statt Katastrophisieren
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Mit diesem Block an Veröffentlichungen (14) springt das Deutsche Ärzteblatt auf den Zug der Klimaaktivisten auf, offensichtlich aus Angst, zu spät zu kommen und späteren Vorwürfen zu entgehen. Dass die Zahl an kardiovaskulären Ereignissen und Herzinfarkten bei Hitze ansteigen kann, ist nicht neu. Was neu ist, ist die bemühte Verbindung zum Klimawandel. Dabei scheint fast völlig aus dem Blick geraten zu sein, dass sich Lebewesen an veränderte klimatische Bedingungen anpassen.

Die Autoren (1) prognostizieren eine Erhöhung der Herzinfarktfälle um 0,1 bis 0,7 %. Betrachtet man die Konfidenzintervalle (zum Beispiel [–87; 257]), zeigt sich, dass das, was hier vorhergesagt wird, gar nicht unbedingt so eintreten muss.

Die Schlussfolgerung, die Erkenntnisse legten nahe, dass Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels erforderlich seien, um das Ziel des Übereinkommens von Paris, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, ist vollkommen abwegig.

Vollständig als Arbeit einer Klima-Interessenvertretung im Sinne der „Fridays for Future“-Bewegung gibt sich ein Artikel zu erkennen, wenn in ihm aufgefordert wird, „dass Fachkräfte im Gesundheitswesen eine führende Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen“ sollen. Wo soll das hinführen? Sollen wir wieder Glasspritzen auf den Stationen und in den Praxen verwenden?

Anstatt des ständigen Katastrophisierens wären Veröffentlichungen hilfreich, die den medizinischen Umgang mit Erkrankungen, die durch Klimaveränderungen eventuell vermehrt auftreten, zum Inhalt haben.

Die sich über 25 Seiten erstreckenden Beiträge zum Thema Klimawandel im Deutschen Ärzteblatt (14) wären es allenfalls wert, in der Rubrik „Randnotiz“ oder „Studien im Fokus“ zitiert zu werden. Einen Nutzen für meine tägliche Arbeit sehe ich in ihnen nicht.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0736a

Mario Loß

Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Berlin

lossxt@aol.com

1.
Chen K, Breitner S, Wolf K, et al.: Projection of temperature-related myocardial infarction in Augsburg, Germany: moving on from the Paris Agreement on Climate Change. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 521–7 VOLLTEXT
2.
Aghdassi SJS, Schwab F, Hoffmann P, Gastmeier P: The association of climatic factors with rates of surgical site infections—17 years‘ data from hospital infection surveillance. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 529–36 VOLLTEXT
3.
Leyk D, Hoitz J, Becker C, Glitz KJ, Nestler K, Piekarski C: Health risks and interventions in exertional heat stress. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 537–44 VOLLTEXT
4.
Nowak D: Global warming—the German picture. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 519–2 VOLLTEXT
1.Chen K, Breitner S, Wolf K, et al.: Projection of temperature-related myocardial infarction in Augsburg, Germany: moving on from the Paris Agreement on Climate Change. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 521–7 VOLLTEXT
2.Aghdassi SJS, Schwab F, Hoffmann P, Gastmeier P: The association of climatic factors with rates of surgical site infections—17 years‘ data from hospital infection surveillance. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 529–36 VOLLTEXT
3.Leyk D, Hoitz J, Becker C, Glitz KJ, Nestler K, Piekarski C: Health risks and interventions in exertional heat stress. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 537–44 VOLLTEXT
4.Nowak D: Global warming—the German picture. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 519–2 VOLLTEXT

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