ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Interstitielle Lungenfibrose: Nintedanib verlangsamt Progression bei allen Formen der Lungenfibrose

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Interstitielle Lungenfibrose: Nintedanib verlangsamt Progression bei allen Formen der Lungenfibrose

Dtsch Arztebl 2019; 116(43): A-1962 / B-1606 / C-1574

Meyer, Rüdiger

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Foto: yodiyim/stock.adobe.com
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Den verschiedenen Formen interstitieller Lungenerkrankungen ist gemeinsam, dass sich die Lungenfunktion allmählich vermindert und die Opazität in der hochauflösenden Computertomografie sichtbar zunimmt. Der Kinase-Inhibitor Nintedanib hemmt den Fibroblasten-Wachstumsfaktor (FGF) und ist bisher nur zur Therapie der idiopathischen Lungenfibrose (IPF) zugelassen.

In der prospektiv randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie INBUILD ist geprüft worden, ob Nintedanib bei allen Formen der Lungenfibrose wirksam ist. Es nahmen 633 Patienten an 153 Zentren in 15 Ländern inklusive Deutschland teil. Bei allen war es in den vorangegangenen 24 Monaten trotz Behandlung zu einem Fortschreiten der interstitiellen Lungenerkrankung gekommen. Die forcierte Vitalkapazität (FVC) betrug ≥ 45 % des erwarteten Werts. Die Diffusionskapazität der Lunge für CO war auf ≥ 30 bis < 80 % des erwarteten Werts abgefallen.

Die Teilnehmer erhielten über 52 Wochen entweder Nintedanib (2-mal täglich 150 mg) oder Placebo. Primärer Endpunkt war der Abfall der FVC. Dabei wurde unterschieden zwischen Patienten, die im CT eine gewöhnliche interstitielle Pneumonie (Usual Interstitial Pneumonia, UIP) mit fleckenförmiger Fibrose und honigwabenartiger Struktur der Lungen hatten oder andere CT-Veränderungen vorlagen.

In der Gesamtgruppe verloren die mit Nintedanib behandelten Patienten 80,8 mL FVC/Jahr, die placebobehandelten Patienten aber 187,8 mL/Jahr. Der Unterschied von 107,0 mL war hoch signifikant (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [65,4; 148,5]; p < 0,001). Bei Patienten mit UIP-Muster wurde der FVC-Verlust unter Nintedanib auf 82,9 mL/Jahr begrenzt, unter Placebo aber fiel die FVC um 211,1 mL/Jahr ab (Δ 128,2 mL/Jahr; [70,8; 185,6]; p < 0,001). Häufigste Nebenwirkung waren Durchfälle: bei 66,9 % im Verumarm vs. 23,9 % unter Placebo. Auch Veränderungen der Leberfunktionswerte waren unter Nintedanib häufiger.

Fazit: Der Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib kann auch bei anderen interstitiellen Lungenerkrankungen als einer IPF den mit der zunehmenden Vernarbung der Lungen einhergehenden Organfunktionsverlust verlangsamen. Rüdiger Meyer

Flaherty KR, Wells AU, Cottin V, et al.: Nintedanib in progressive fibrosing interstitial lung diseases. N Engl J Med 2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1908681.

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