ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Neurologie: Neue S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie neuropathischer Schmerzen

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Neurologie: Neue S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie neuropathischer Schmerzen

Dtsch Arztebl 2019; 116(43): A-1974 / B-1614 / C-1582

Hillienhof, Arne

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Eine in weitem Umfang überarbeitete Leitlinie der Stufe S2k „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“ hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) vorgestellt.

Brenennde Schmerzen in Ruhe beschreiben oft die Patienten. Foto: picture alliance/Westend61
Brenennde Schmerzen in Ruhe beschreiben oft die Patienten. Foto: picture alliance/Westend61

Neuropathische Schmerzen entstehen als direkte Folge einer Schädigung oder Läsion des somatosensorischen Systems. Die Patienten beschreiben häufig brennende Schmerzen in Ruhe, einschießende Schmerzattacken und sogenannte evozierte Schmerzen (Hyperalgesie oder Allodynie).

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Die Therapie neuropathischer Schmerzen unterscheidet sich von der Behandlung anderer chronischer Schmerzen, bei denen das somatosensorische Nervensystem nicht geschädigt ist – eine genaue Diagnostik des Schmerztyps ist daher laut Schlereth unverzichtbar. Die Therapie sollte die Möglichkeiten einer kurativen oder kausalen Therapie ausschöpfen, zum Beispiel eine Neurolyse bei Engpasssyndromen oder eine optimale Diabeteseinstellung bei diabetischer Neuropathie.

„Eine Herausforderung stellt die Herbeiführung einer ausreichenden medikamentösen Schmerzlinderung dar“, so die Leitlinienkoordinatorin Dr. med. Tanja Schlereth. Ein Problem sei, dass eine herkömmliche Schmerzmedikation bei neuropathischen Schmerzen nicht ausreichend anschlage. „Umso wichtiger ist die leitliniengerechte Therapie, um den Patienten, die einen extrem hohen Leidensdruck haben, zu helfen“, so Schlereth. Die Leitlinie geht auch auf den Einsatz von Cannabinoiden ein, die seit 2017 erstattungsfähig sind.

„Es handelt sich weiterhin um einen Off-Label-Use, da keine dieser Substanzen in der Indikation Schmerz zugelassen ist“, so die Autoren. Die Empfehlung der Leitliniengruppe lautet, Cannabinoide zur Therapie neuropathischer Schmerzen nur dann einzusetzen, wenn andere Schmerztherapien ausgeschöpft wurden, da ihre Wirksamkeit bei hoher Nebenwirkungsrate als eher gering einzustufen sei. Die neue Leitlinie ist bis zum April 2024 gültig. hil

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