ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine & Co nützen Älteren kaum

MEDIZINREPORT

Nahrungsergänzungsmittel: Vitamine & Co nützen Älteren kaum

Dtsch Arztebl 2019; 116(43): A-1950 / B-1597 / C-1565

Strathaus, Regine Schulte

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Nur wenige Personengruppen profitieren von einer Supplementierung mit Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren. Alterungsprozesse des Körpers werden durch diese Substanzen kaum beeinflusst, auch Medikamente wie ASS sind hier wenig hilfreich, so das ernüchternde Fazit auf dem Kongress für Viszeralmedizin.

Jeder will heute gesund und attraktiv alt werden, aber nicht altern. Immer mehr Menschen greifen daher zu Nahrungsergänzungsmitteln. Doch weder ist die stetig steigende Anzahl der Hundertjährigen auf Nahrungsergänzungsmittel (NEM) und Medikamente zur Prävention wie ASS zurückzuführen noch kann durch den Konsum dieser Präparate der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessert werden.

Dies belegen große wissenschaftliche Studien. Trotzdem steigt der Verbrauch stetig an: Nach Angaben des Lebensmittelverbandes Deutsch-
land e. V. in Berlin wurden im vergangenen Jahr 225 Millionen Packungen Nahrungsergänzungsmittel verkauft (12 Millionen Packungen mehr als im Vorjahr) zum Wert von 1,44 Milliarden Euro. In den USA schluckt bereits jeder 3. Einwohner diese Präparate, was ein rund 28- Milliarden-Dollar-Geschäft für die Anbieter bedeutet.

Dieser Trend steht jedoch im deutlichen Gegensatz zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hochrangig publizierte Studien legen nahe: NEM sind ohne Nutzen für die Primärprävention.

Nur für ausgewählte Gruppen

„In manchen Untersuchungen zeigen sich sehr geringfügige positive Effekte für Nahrungsergänzungsmittel-Präparate, die man jedoch gegen die Risiken abwägen muss, die diese auch haben“, sagte Prof. Dr. med. Jürgen Schölmerich, ehemaliger ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt am Main auf der Pressekonferenz zum Kongress für Viszeralmedizin 2019 in Wiesbaden.

Nur für wenige Personengruppen sei eine Substitution mit NEM sinnvoll: Folsäure und Eisen in der Schwangerschaft sowie bei Frauen mit starken Menstruationsblutungen, Vitamin D bei Älteren und bettlägerigen Patienten sowie bei verschleierten Frauen, die kein Sonnenlicht absorbieren könnten, und Vitamin B12 für Veganer. „Ein an sich gesunder Mensch, der sich ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungsergänzungsmittel“, so der Experte.

Viel frisches Obst, Gemüse und Fisch garantierten genug Vitamine und Mineralstoffe. Wer sich allerdings primär von Fastfood und industriell hochverarbeiteten Lebensmitteln ernähre, steigere sein Mortalitätsrisiko erheblich: Bei 4 Portionen aus Burger, Bagels & Co. um 60 %, mit jeder Fastfood-Mahlzeit mehr um weitere 18 %.

Kürzlich publizierte Studien zeigten, dass NEM in der Primärprävention bei kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) und Karzinomen nicht hilfreich sind (13). Eine Metaanalyse von 49 Studien mit 290 000 Teilnehmern fand für die Vitamine C, D, K und die Minerale Magnesium, Selen und Zink sowie für Eicosapentaensäure (Omega-3-Fettsäure) keinen Effekt auf die Mortalität oder das Risiko von Krebs und CVD. Eine geringe Reduktion des kardiovaskulären Risikos erzielten Folsäure und Vitamin E. Vitamin A erhöhte das Krebsrisiko, Betacarotin das für Lungenkrebs bei Rauchern, und Folsäure das für Prostatakarzinome.

ASS nicht zur Primärprävention

In einer Studie zu Vitamin D (2 000 IU/Tag) und Omega-3-Fettsäuren (1 Gramm/Tag) zur Prävention von CVD und Krebserkrankungen an 26 000 Personen fand sich ebenfalls kein Effekt (4). Anders sehe es bei der Sekundärprävention mit ASS wegen des profunden antithrombotischen Effektes für CVD aus. Da sei es wirksam. Die Datenlage für ASS in der Primärprävention sei jedoch insgesamt ernüchternd, so Schölmerich. 2018 zeigten mehrere große Studien (ARRIVE, ASCEND, ASPREE), dass die vorsorgliche Einnahme von Acetylsalicylsäure weder die Wahrscheinlichkeit des Auftretens chronischer Krankheiten wie KKH noch die Karzinominzidenz noch die Mortalität senken konnte (57).

Vielmehr stieg unter regelmäßiger Einnahme von ASS die Rate der Blutungen, vorwiegend im Magen-Darm-Trakt. Um weitgehend gesund zu altern, empfahl Schölmerich neben einer ausgewogenen Mittelmeerkost, Bewegung und die Koloskopie sowie den regelmäßigen Hautcheck als Vorsorgeuntersuchungen. Regine Schulte Strathaus

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit4319
oder über QR-Code.

Hundertjährige auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen erreichen bei guter Gesundheit ein biblisches Alter. Weltweit sind laut aktuellen UN-Schätzungen derzeit 533 000 Menschen schon 100 Jahre oder älter, im Jahr 2000 waren es erst 151 000. In Deutschland leben aktuell, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, etwa 16 000 Hundertjährige und Ältere, im Jahr 2000 waren es erst knapp 6 000. Vor allem bei Frauen steigt die Lebenserwartung ständig an. Mehr als jedes 3. im Jahr 2019 geborene Mädchen (37 %) wird ihren 100. Geburtstag erleben, so das Rostocker Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Bei den Jungen sind es 11 %. Demnach werden 77 % der neugeborenen Mädchen (59 % der Jungen) ihren 90. Geburtstag erreichen. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 94,8 Jahre für die 2019 geborenen Frauen, 88,6 Jahre für die Männer.

Nur wenige Personengruppen profitieren von einer Supplementierung mit Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren. Alterungsprozesse des Körpers werden durch diese Substanzen kaum beeinflusst, auch Medikamente wie ASS sind hier wenig hilfreich, so das ernüchternde Fazit auf dem Kongress für Viszeralmedizin.

1.
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2.
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3.
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5.
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6.
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Allgäu Wanderer
am Montag, 28. Oktober 2019, 22:53

Danke für diesen Artikel und Video Tipp

Danke für diesen Artikel, denn es ist erschreckend wieviel Werbung gerade für Omega 3 aber auch Vitamin D etc im Internet rumkursiert. Ein sehr detaillierte Arbeit hat man sich in diesem Video gemacht mit 13 verglichenen Studien zum Thema Vitamin D. Hat mich beeindruckt https://www.youtube.com/watch?v=MapIjEPnKCA&
Sollte man mal reinschauen.

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