ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Anästhesie: Schlechtes Licht
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Angesichts des Artikels über falsch gesteckte Schlauchsysteme an Narkosegeräten und insbesondere des begleitenden Fotos musste ich mich erst einmal vergewissern, dass das kein Aprilscherz war.

Ich behaupte, dass 90 Prozent aller Frisiersalonbesucher in der Rätselecke einer Mainstream-Illustrierten in der Rubrik „Finde den Fehler!“ am Foto erkennen würden, dass das so gesteckte System nicht funktionieren kann. Umso tragischer und erschreckender ist es, dass tatsächlich Menschen zu Schaden, ja zu Tode gekommen sind. Da muss schon eine ganze Kette von Fehlern gemacht worden sein.

Das wirft ein schlechtes Licht auf den Stand der Dinge in der Anästhesie. Wir Anästhesisten sehen uns ja häufig dem Vorurteil ausgesetzt, wir würden „ja eh nur die Betäubung geben“. Dem Foto zufolge kriegen wir nicht einmal das halbwegs gescheit gebacken.

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Ausbildungsinhalt in den ersten Wochen meiner Assistentenzeit war u. a. das Verhalten bei Beatmungsproblemen oder Sättigungsabfall, Problemen mit den Geräten, Einstellung sinnvoller Alarme und zeitnah Hilfe holen! Und so gebe ich es auch den mir anvertrauten Assistenten heute weiter.

Ist das nicht mehr Standard?

Wir sind offenbar am absoluten Tiefpunkt angelangt, was die Aus- und Weiterbildung unserer Assistenten angeht. SOP und Leitlinien ersetzen zunehmend eine Ausbildung, für die in unserer industrialisierten Medizin keiner mehr Geld bezahlen will und v. a. keiner mehr Zeit hat. Das wird in anderen Fachbereichen vermutlich auch nicht besser aussehen.

Dennoch bleibt für mich in den beschriebenen Fällen schleierhaft, wieso mehrere Kettenglieder der Sicherheitskette versagt haben sollen bzw. keine Rückfallebene wie alternative Beatmungsmöglichkeiten oder kein erfahrener Fach- oder Oberarzt zum Einsatz gekommen sein soll.

Die Initiative, Schlauchsysteme mit unverwechselbaren Konnektionen zu entwickeln, ist begrüßenswert. Die Empfehlungen des BfArM, den Kurz-Check des Narkosegerätes und die Handlungsempfehlungen der DGAI zu Beatmungsproblemen zum festen Bestandteil der Ausbildung zu machen, sollten eigentlich gelebte Wirklichkeit sein. Wir Anästhesisten sollten uns nicht vom BfArM erklären lassen müssen, wie man Beatmungsprobleme meistert.

Dr. med. Klaus Engelke, 12359 Berlin

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