ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Hepatitis-B-Infektion in der Schwangerschaft: Bei Tenofovir-Prophylaxe kein erhöhtes Osteoporoserisiko für Mutter und Kind

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hepatitis-B-Infektion in der Schwangerschaft: Bei Tenofovir-Prophylaxe kein erhöhtes Osteoporoserisiko für Mutter und Kind

Dtsch Arztebl 2019; 116(43): A-1962 / B-1606 / C-1574

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: fotoliaxrender/stock.adobe.com
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Mitte der 90er-Jahre ist in Deutschland das Screening Schwangerer auf eine Hepatitis-B-Virusinfektion (HbsAg) in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen worden. Die Frage, ob HBV-infizierte Schwangere bei hoher Viruslast eine antivirale Therapie erhalten sollten, um das Kind zu schützen, wird kontrovers diskutiert. In Deutschland wird die Therapie als mögliche Option bei sehr hoher Virämie gesehen. Internationale Fachgesellschaften empfehlen Schwangeren bei HBV-DNA-Werten > 200 000 IE/mL oder HbsAg > 4 log10 IE/mL eine antivirale Prophylaxe mit Tenofovir (TDF), beginnend in der 24.–28. Schwangerschaftswoche für bis zu 12 Wochen postnatal (1). Die Schweiz hat sich angeschlossen (2).

In einer multizentrischen, prospektiv randomisierten und placebokontrollierten Phase-3-Studie ist ein schwacher Schutzeffekt einer TDV-Therapie vor der vertikalen HBV-Transmission nachgewiesen worden, aber der Unterschied war nicht statistisch signifikant (keine HBV-Übertragung bei 147 Kindern mit TDV-Therapie der Mütter vs. 2 % bei 147 Kindern ohne TDV-Therapie der Mütter; [3]). Für diese Studiengruppe ist nun das Osteoporoserisiko untersucht worden (4).

Von 135 Müttern und deren Kindern lagen Daten zur Knochendichte nach einem Jahr vor. 69 Frauen hatten TDV erhalten, und zwar ab der 28. Woche bis 8 Wochen nach der Geburt, und 66 Mütter Placebo. Alle Kinder waren zusätzlich passiv und aktiv immunisiert worden. Es gab keine relevanten Unterschiede in der Knochendichte nach einem Jahr, weder bei Müttern, noch bei Kindern.

Fazit: Eine prophylaktische Tenofovir-Behandlung von HBV-infizierten Schwangeren mit ausgeprägter Virämie ist nicht mit einem erhöhten Risiko für eine verminderte Knochendichte assoziiert, weder bei der Frau, noch beim Kind.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. EASL 2017 Clinical Practice Guidelines on the management of hepatitis B virus infection. European Association for the Study of the Liver. J Hepatol 2017; 67: 370–98.
  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG). Empfehlungen zur Prävention von Hepatitis B. Stand: März 2019.
  3. Jourdain G, Ngo Giang Huong N, Harrison L, et al.: Tenofovir versus placebo to prevent perinatal transmission of Hepatitis B. N Engl J Med 2018; 378: 911–23.
  4. Salvadori N, Fan B, Teeyasoontranon W, et al.: Maternal and infant bone mineral density 1 year after delivery in a randomized, controlled trial of maternal tenofovir disoproxil fumarate to prevent mother-to-child transmission of Hepatitis B Virus. Clin Infect Dis 2019; 69: 144–46.

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