ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Schwangerschaftsabbruch: Empathie für das Kind
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

... Drei entscheidende Aussagen von Herrn Dr. med. Alexander Braun ... dürfen in dieser Form nicht unkommentiert bleiben.

1. „Wir in unserem medizinischen Versorgungszentrum stehen dazu, dass wir alle gynäkologischen Leistungen von der Vorsorge über den Kinderwunsch zum Schwangerschaftsabbruch anbieten.“ Die Gleichsetzung der gynäkologischen Leistung Mutterschaftsvorsorge, Kinderwunschberatung und Schwangerschaftsabbruch ist Ausdruck eines schwer erträglichen moralisch ethischen Nihilismus. Hat doch das Bundesverfassungsgericht im Jahre 1993 hier unter anderem zwei Dinge unmissverständlich klargestellt: „Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, das menschliche Leben zu schützen. Zum menschlichen Leben gehört auch das Ungeborene. ...“. Und: Es handelt „sich bei dem Ungeborenen um individuelles, in seiner genetischen Identität und damit in seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit bereits festgelegtes, nicht mehr teilbares Leben, das sich im Prozess des Wachstums und sich Entfaltens nicht erst zum Menschen, sondern als Mensch entwickelt …“.

2. Dr. Braun fährt dann fort: „... nur weil man öffentlich verschweigt, dass es Abbrüche gibt, heißt es ja nicht, dass sie im Alltag von gynäkologischen Praxen nicht stattfinden würden“. ... Die Diskussion um den § 219, der sich logisch aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil aus dem Jahre 1993 ableitet, wurde in der breiten Öffentlichkeit geführt. Grundsätzlich geht es darum, dass eine Abtreibung (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen) eine rechtswidrige Handlung ist, weil das ungeborene Kind von der Zeugung an ein Recht auf Leben besitzt. Weil Abtreibungen rechtswidrige Handlungen sind und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben, darf dafür auch nicht geworben werden. ...

Anzeige

3. Dann führt Dr. Braun aus: „Wir tragen die Verantwortung, Frauen in dieser Situation fair und empathisch zu betreuen und operativ korrekt zu behandeln.“ Empathie mit unseren Patientinnen in jedweder Situation und das Streben nach möglichst komplikationsfreien Eingriffen sind sicher wesentliche Voraussetzungen für alles ärztliche Handeln. In diesem Satz fehlt allerdings ... die Empathie für das Kind, dessen Biografie nach der „operativ korrekten“ Behandlung zu Ende ist. Wir tragen besonders Verantwortung und Empathie für die Frauen, die trotz schwieriger Situation eine Entscheidung für das Leben ihres Kindes fällen. ...

Dr. med. Michael Glaßmeyer, 44575 Castrop-Rauxel

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema