ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2019Kardiologie: Risikokalkulator hilft Herzinfarkt innerhalb einer Stunde zu erkennen

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Kardiologie: Risikokalkulator hilft Herzinfarkt innerhalb einer Stunde zu erkennen

Dtsch Arztebl 2019; 116(43): A-1968 / B-1608 / C-1576

EB; Gießelmann, Kathrin

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Der Risikokalkulator kann künftig innerhalb einer Stunde eine Diagnose liefern. Foto: freshidea/stock.adobe.com
Der Risikokalkulator kann künftig innerhalb einer Stunde eine Diagnose liefern. Foto: freshidea/stock.adobe.com

Mithilfe des neuen auch online verfügbaren Risikokalkulators „Compass MI“ können kardiologisch tätige Ärztinnen und Ärzte früher und sicherer als bislang abschätzen, ob tatsächlich ein Infarkt vorliegt. Das berichten Mediziner des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), die die Diagnosehilfe entwickelt haben. Die Herleitung des Algorithmus stellen sie im New England Journal of Medicine vor (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1803377).

Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung des Herzmuskels werden üblicherweise zunächst per EKG untersucht. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, wird der Troponin-Wert im Blut gemessen. Dabei handelt es sich um Proteine, die nur bei einer Schädigung der Herzmuskelzellen ins Blut gelangen. Entscheidend sei aber nicht ein bestimmter Grenzwert, sondern das Ansteigen des Wertes innerhalb kurzer Zeit, erklärte der Ärztliche Direktor des Universitären Herz- und Gefäßzentrums, Prof. Dr. med. Stefan Blankenberg.

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Die Wissenschaftler werteten die Daten von mehr als 22 000 Patienten aus 13 Ländern aus, bei denen die Troponinwerte nach Ankunft in der Notaufnahme und bis zu dreieinhalb Stunden später gemessen wurden.

Lediglich 15 Prozent hatten wirklich einen Herzinfarkt. Mit einer Ausgangskonzentration an Troponin I von < 6 ng/L und einem nur geringen Anstieg (< 4 ng/L) innerhalb von 45 bis 120 Minuten gehörte insgesamt mehr als die Hälfte aller Patienten (57 Prozent) zur Niedrig-Risiko-Gruppe.

Aus den Daten entwickelten die Forscher einen Algorithmus für einen Risikokalkulator, der künftig innerhalb von rund einer Stunde eine gesicherte Diagnose liefern soll. Bislang müssen Patienten bis zu 12 Stunden darauf warten.

„Mithilfe der gemessenen Troponin-Werte und der genauen Zeit zwischen den Messungen kann man unter Berücksichtigung der Art des verwendeten Bluttests ausrechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der betreffende Patient einen akuten Herzinfarkt hat. Das ist ein Novum“, erklärt Dr. med. Johannes Neumann, Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums. EB/gie

https://compass-mi.com/#consortium

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