ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2019Altersabhängige Makuladegeneration: Antikörperfragment Brolucizumab ist dem Standard Aflibercept nicht unterlegen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Altersabhängige Makuladegeneration: Antikörperfragment Brolucizumab ist dem Standard Aflibercept nicht unterlegen

Gerste, Ronald D.

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Foto: picture alliance/Phanie
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Die Injektion von VEGF-Inhibitoren in den Glaskörper ist die First- line-Option bei neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration (AMD). Es sind allerdings bei den bisherigen Medikamenten viele Injektionen und Kontrolltermine erforderlich. Mögliche Alternativen mit längerer Wirkdauer sind einkettige Antikörperfragmente (scFv), die wegen ihrer geringen Molekülgröße effektiver in das Retinagewebe eindringen. Zu dieser Substanzklasse gehört Brolucizumab. Nun liegen die Daten der Phase-3-Studien HAWK und HARRIER vor.

Bei HAWK erhielten AMD-Patienten randomisiert entweder 3 mg Brolucizumab, 6 mg Brolucizumab oder 2 mg Aflibercept. In HARRIER gab es 2 Gruppen mit entweder 6 mg Brolucizumab oder 2 mg Aflibercept. Als Loading-Dose wurden die Medikamente zunächst alle 4 Wochen für 3 Monate injiziert, danach Brolucizumab alle 12 Wochen und Aflibercept alle 8 Wochen. Die Gruppen bestanden aus je 360 bis 370 AMD-Patienten und waren gut gematcht. Das Durchschnittsalter betrug 75–77 Jahre.

In beiden Studien wurde der primäre Endpunkt erreicht: Brolucizumab erwies sich Aflibercept bei der Visusrestitution als nicht unterlegen. Nach 48 Wochen hatte sich der Visus unter Brolucizumab 6 mg um durchschnittlich 6,6 Zeichen auf den üblichen Sehtesttafeln verbessert vs. 6,1 (3 mg Brolucizumab) und 6,8 Zeichen unter Aflibercept-Therapie in HAWK (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] für die Behandlungsdifferenz Δ [–2,5; 1,3]) und um 6,9 Zeichen (6 mg Brolucizumab) und 7,6 Zeichen (Aflibercept) in HARRIER (Δ [–2,4; 1,0]).

Die Netzhautdicke als Kriterium des anatomischen Erfolgs verminderte sich unter Brolucizumab etwas mehr als unter Aflibercept. Die Reduktion betrug in HAWK im Durchschnitt 172,8 µm (Brolucizumab) vs. 143,7 µm (Aflibercept) (Δ [–47,6; –10,4]) und in HARRIER 193,8 µm und 143,9 µm (Δ [–68,9; –30,9]). In beiden Studien hatten weniger Patienten unter Brolucizumab nach 16, 48 und 96 Wochen intra- oder subretinale Flüssigkeit: in HARRIER waren es am Ende der Beobachtungszeit noch 17 % (Brolucizumab) und 22 % (Aflibercept). Es gab keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Wirkstoffen in der Sicherheit. Der Anteil von Patienten mit mindestens einem nicht-okulären thromboembolischen Ereigniss betrug in HAWK 4,5 % (3 mg Brolucizumab), 2,8 % (6 mg Brolucizumab) und 4,4 % (2 mg Aflibercept) und in HARRIER 3,2 % (6 mg Brolucizumab) und 3,8 % (2 mg Aflibercept).

Fazit: „Die Ergebnisse der beiden Studien bedeuten: Brolucizumab ist eine weitere sichere und wirksame Therapieoption für die feuchte altersbedingte Makuladegeneration“, kommentiert Prof. Dr. med. Rainer Guthoff, stellvertretender Direktor der Klinik und Leiter der Retinologie der Universitätsaugenklinik Düsseldorf. „Es werden mit Brolucizumab vergleichbare Visusergebnisse erreicht wie mit den herkömmlichen Therapien, die Intervalle zwischen den Injektionen in den Glaskörper sind jedoch länger. Das kann einen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten und das Infektionsrisiko verringern.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Dugel PU, Koh A, et al.: HAWK and HARRIER: phase 3, multicenter, randomized, double-masked trials of brolucizumab for neovascular age-related macular degeneration. Ophthalmology 2019; doi: 10.1016/j.ophtha.2019.04.017.

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