ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2019Klinische Studien: Vernünftiges Denken
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Auch individuelle Menschen sind mehr oder weniger vergleichbar, weil sie typisch funktionierende Leiber haben. Studien mit statistischer Auswertung werden durchgeführt, weil das Individuelle des Menschen sein Vergleichbares durchdringt und überformt. Mithilfe statistischer Studien nehme ich etwas vom Allgemeinen im Menschen unter Ausblendung seines Individuellen wahr.

Sie weisen zu Recht darauf hin, dass dabei der einseitig und verengt angewendete methodische Goldstandard „RCT“ in der evidenzbasierten Medizin zu einem unguten Methodenmonopol geführt hat, das der Medizin insgesamt schadet, wenn man es dogmatisch einfordert. Dies ist auch ohne die von Ihnen geschilderte Präzisionsmedizin erkennbar, obwohl diese ein gutes Beispiel ist. Umfassend hat Helmut Kiene auf die vielen Fallstricke hingewiesen, die umso reichhaltiger in medizinischen Details von Studien lauern, je methodisch hochwertiger sie nach EBM-Kriterien zu sein scheinen. Ferner sortiert er die Erkenntnisgewinnung durch randomisierte Studien in ein breites Spektrum möglicher medizinischer Forschungsmethoden ein und erklärt sie hierdurch umfassender.

Letztlich gibt es immer nur einen wirklich umfassenden Bewertungsmaßstab für Wissenschaftlichkeit, und das ist das vernünftig gebrauchte, individuelle menschliche Denken. Dieses wird durch den Bewertungsmaßstab einer einseitig und dogmatisch verstandenen sowie schematisch angewendeten evidenzbasierte Medizin vielfach unnötig beschnitten.

Anzeige

Dr. med. Till Reckert, 72764 Reutlingen,
Literatur beim Verfasser

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema